27. November 2016

HIV-Infektion und Herzinfarkt – Entzündung verantwortlich

Das häufigere Auftreten von Herz- und Hirninfarkten wurde bei HIV schon länger beobachtet. Viele Risikofaktoren (Rauchen, Medikamente,…) spielen mit. Doch seit einigen Jahren vermutet man, dass die Immunaktivierung bei HIV zum erhöhten Risiko beiträgt. Bereits 2006 zeigte die SMART-Studie, dass ein Therapieunterbruch zu mehr Herzinfarkten führt. Man machte die Immunaktivierung durch HIV dafür verantwortlich.

Eine grosse Untersuchung der MACS-Studie hat das Phänomen noch einmal sehr eindrücklich zeigen können (schon im Juni 16 publiziert, manchmal sind wir nicht so aktuell). In der MACS Studie werden Männer mit einem HIV-Infektionsrisiko eingeschlossen, und zwar ohne und mit HIV-Infektion. Damit können recht ähnliche Personen miteinander verglichen werden.
In dieser Analyse wurden nun gut 900 Männer (knapp 350 HIV-neg.) eingeschlossen und mittels Computer-Tomographie auf Verengungen der Herzkranzgefässe untersucht. Bei allen Männern wurden auch Entzündungsparameter (IL-6, TNFaR-II) gemessen. Tatsächlich fand sich bei HIV-positiven Männern eine deutliche Zunahme einer Kranzgefässverengung (Stenosegrad 50%+) bei zunehmenden Entzündungswerten (Abbildung rechts). Diese HIV-pos. Männer waren fast alle behandelt und die meisten (83%) hatten auch eine gute Virussuppression. Das heisst, auch  unter einer gut durchgeführten Therapie kann es durchaus noch zu einer übermässigen Erhöhung der Entzündungsparametern kommen, und diese scheint weiterhin einen nachteiligen Effekt auf die Verengung der Herzkranzgefässe zu haben.

Es bleibt somit weiterhin wichtig, dass Menschen mit HIV Infektion versuchen, mögliche Risikofaktoren, insbesondere das Rauchen, zu reduzieren.

MACS_Herzinfakt_Inflammation

Wenig später in diesem Juli hat eine weitere Arbeit vom Mass General Hospital in Boston bei einer kleinen Gruppe von Patienten gezeigt, dass die HIV-Therapie zwar zu einer Verbesserung der Immunaktivierung führt, aber dass die Arterienverkalkung nicht günstig beeinflusst werden kann (Zanni JAMA Cardiol, 2016).

Foto von NinchenBln


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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