HIV-Therapie in CH: Reiche profitieren etwas früher

Gesundheitsunterschiede sind nicht nur augenfällig zwischen der ersten und der dritten Welt. Auch innerhalb eines Landes mit hohem Wohlstand gibt es immer noch Zustände, wo Menschen mit höherem Einkommen auch gesundheitlich besser gestellt sind. GIlt dies auch für HIV?

Soeben kommt eine Arbeit zur Publikation, welche genau diese Frage bei HIV-Patienten inder Schweiz untersucht. Es handelt sich dabei um eine Erhebung im Rahmen der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie (SHCS).

Komplexes Verfahren zur Wohlstandsmessung

In einem anonymisierten Verfahren basierend auf statistischen Zahlen der Schweiz konnte von fast 4500 Schweizer Patienten anhand des Wohnortes das durchschnittliche Einkommen von 50 Personen, die in der Nähe erhoben werden. Frühere Arbeiten zeigen, dass dies recht gut mit dem eigenen Wohlstand übereinstimmt.

Kein Vorteil bei HIV

In dieser Studie wurde nun untersucht, ob der sozioökonomische Status (SöS) den folgenden Kennwerten zusammehängt:

  • Späte Diagnose (bei tiefen CD4 Werten <200)
  • Ansprechen auf die HIV-Therapie (Suppressionsrate nach 6 Monaten)
  • Sterblichkeit (Verglichen mit der Normalbevölkerung)

Tatsächlich zeigte sich, dass Patienten mit höherem SöS tendenziell früher diagnostiziert wurden und auch, dass die HIV-Therapie etwas häufiger zum vollständigen Suppressionserfolg nach 6 Monaten führt. Doch, und dies ist wieder ein positives Zeichen für unser Gesundheitssystem: Die Autoren fanden keinen Unterschied in der Sterblichkeit nach SöS, wenn dies mit der Sterblichkeit der Gesamtbevölkerung verglichen wurde (s. nebenstehende Grafik, höherer Gesundheitssatus: weiter rechts).

Kommentar

Natürlich sind Diagnosezeitpunkt und Behandlungserfolg nicht die einzigen Parameter, die etwas über den Gesundheitszustand einer HIV infizierten Person aussagen. Und anhand der heute geringen Sterblichkeit bei HIV ist es auch nciht erstaunlich, dass man gar keine Unterschiede mehr ausmachen kann. Dennoch, die Studie zeigt doch auch, dass das Gesundheitssystem in der Schweiz – mindestens die HIV-Versorgung – auf einem hohen Level ist. Das ist nicht selbstverständlich und wir dürfen etwas stolz darauf sein. Auch die 19887 vom Bundesamt für Gesundheit ins Leben gerufene SHCS bietet einen wesentlichen Beitrag zur hohen Behandlungsqualität von HIV-infizierten Menschen.


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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