Lebensversicherung trotz HIV!

Darauf haben HIV-infizierte Menschen in der Schweiz lange gewartet: endlich wurde bewiesen, dass man unter einer gut behandelten HIV-Infektion bei praktisch "normaler" Lebenserwartung auch "normal" versichert sein kann. Jetzt sind die Grundlagen gelegt. 

Endlich ist es soweit: eine internationale Multi-Kohortenstudie hat nun die Erfahrungen aus 5 Ländern (F, I, E, UK, CH) zusammengefasst. Fast 35’000 HIV-positive Menschen wurden eingeschlossen, mit folgenden Kriterien

  • HIV-Therapiebeginn nach 1996
  • Mindestens 6 Monate behandelt
  • Sexueller Infektionsweg (nicht durch Nadeltausch)
  • Keine Hepatitis-C-Infektion (HCV-neg.)

Insgesamt wurden 1’236 Todesfälle registriert. Die Mortalitätsraten war tiefer bei Patienten mit

  • höherer CD4-Helferzahl und
  • tieferer HIV-RNA-Viruslast 6 Monate nach Therapiebeginn

Die Resultate der Sterblichkeit bei diesen HIV-Patienten wurde verglichen mit der Sterblichkeit der HIV-negativen Gesamtbevölkerung. Nun zeigt sich, dass HIV-positive Menschen, mit einer supprimierten Viruslast (<1000) und CD4-Zellzahl über 350 Zellen 6 Monate nach Therapie eine Lebenserwartung, respektive Mortalität haben, die im Rahmen von anderen chronischen Krankheiten liegen (z.B. Diabetes).

Lebensversicherungen berechnen die sogenannte relative Mortalität. Dies ist die Mortalität in der Gruppe von Interesse (z.B. Raucher) geteilt durch die erwartete Mortalität (also z.B. Nichtraucher) der gleichen Altersgruppe. Für die meisten Versicherer ist ein Risiko versicherbar, wenn diese relative Mortalität nicht über einen Faktor 5 (500%) ansteigt.

In der genannten Situation bei HIV-Patienten (CD4>350 und VL<1’000) nach 6 Monaten Therapie, war die relative Mortalität mit 459% in einem Bereich, in dem die meisten Versicherungen üblicherweise eine Versicherung abschliessen. Es bleibt nun zu hoffen, dass die Lebensversicherungen in der Schweiz, ähnlich wie in anderen Europäischen Ländern, ihre Praxis rasch anpassen, sodass HIV-positive Menschen mit guter Ausgangslage auch tatsächlich von den Erfolgen der Therapie profitieren können.


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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