1. April 2016

Lyme-Erkrankung. Kein Benefit von Langzeit-Antibiotika

Die sog. „Lyme-Erkrankung“, eine durch Borrelien verursachte Infektionskrankheit, kann sehr unspezifisch  verlaufen. Da die Infektion mehrheitlich ganz ohne Symptome verläuft (aber im Blut Antikörper gegen Borrelien hinterlässt), vermuten viele Patienten hinter recht unspezifischen Symptomen eine Borreliose.

Die Symptome, die einer Lyme Erkrankung „angelastet“ werden, sind meistens chronische Müdigkeit, Gelenks- und Muskelschmerzen, Fiebergefühl, Leistungsknick. Dies sind auch die Beschwerden, welche oft unter „chronic fatigue Syndrome“ zusammengefasst werden.

Antibiotische Behandlung als grosse Hoffnung
Aus Sicht der betroffenen Patienten ist es verständlich, dass sie nichts unversucht lassen möchten, das eine Besserung erzielen könnte. Was liegt da näher, als das auslösende Bakterium der vermuteten Infektionskrankheit zu behandeln. Obwohl schon mindestens drei grosse Arbeiten (meist in den USA) zeigten, dass eine Langzeit-Antibiotika-Therapie keinen Nutzen bei diesen chronischen Beschwerden bringt (Krupp 2003; Hu 2001; Cameron 2008), wird eine solche Therapie immer wieder vorgeschlagen.

Neue Europäische Studie bestätigt bisherige Erkenntnis
In der letzten März-Nummer des NEJM ist nun eine neue Studie publiziert worden, welche die Langzeitantibiotika-Therapie bei Patienten mit vermuteter „chronischer Lyme Erkrankung“ untersucht hat. Rund 270 Patienten mit durchgemachter und zuvor schon antibiotisch behandelter Borreliose, welche sich mit chronischen Symptomen präsentierten, wurden in diese Studie eingeschlossen. Alle erhielten zunächst eine Standardbehandlung einer zweiwöchigen hochdosierten Infusionstherapie (2gr Ceftriaxon/Tag) während 2 Wochen. Anschliessend wurde (blind, randomisiert) während 12 Wochen eine Behandlung mit Doxycyclin, Clarithromycin+Hydrochloroquin  oder Placebo durchgeführt.

Kein Unterscheid zwischen den drei Gruppen
Egal welche Behandlung eingesetzt wurde. Die Symptome (v.a. Müdigkeit) werden im Verlauf als „etwas gebesserte“ angegeben, doch es findet sich überhaupt kein Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. Somit ist die Antibiotische Behandlung nach Durchführung der Standardherapie (Ceftriaxone 2 Wo) nicht sinnvoll.

Die Studie bestätigt nun auch für Europäische Verhältnisse was wir bisher immer auch in der Schweizerischen Gesellschaft für Infektiologie vertreten haben. Die Symptome sind in der Regel eben nicht auf eine Infektion mit Borrelien direkt zurückzuführen. Auf jeden Fall hat eine Langzeittherapie mit Antibiotika keinen zusätzlichen Nutzen. In der untenstehenden Abbildung aus der Originalarbeit sieht man den Verlauf des Müdigkeits-Scores unter der Therapie (oder Placebo). LymeChronicFatigue

 


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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