4. Mai 2015

HPV-Impfung: MS-Risiko nicht erhöht

Impfgegner greifen oft auf Argumente wie das Auftreten von Fällen multipler Sklerose (MS) oder anderen demyelinisierenden Erkrankungen nach Impfungen zurück. Eine grosse Studie aus Dänemark und Schweden hat den Zusammenhang dieser Erkrankungen mit der Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) erforscht – und keinen gefunden.

Hintergrund

Seit mehreren Jahren wird die HPV-Impfung zur Vorbeugung einer Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) und der möglichen Komplikation eines Zervixkarzinoms bei jungen Frauen empfohlen. Neu wird die Impfung in der Schweiz auch für Jungen und Männer vor Beginn der sexuellen Aktivität als ergänzende Impfung zur Prävention von HPV-assoziierten Krebserkrankungen und zur Prävention von Genitalwarzen empfohlen.

Verunsichernde Fälle in Medien und wissenschaftlicher Literatur berichten über das Auftreten von Multipler Sklerose oder anderen demyelinisierenden Erkrankungen nach der Impfung. Eine gross angelegte Studie in Skandinavien untersucht, ob diese Erkrankungen tatsächlich häufiger nach Impfung vorkommen.

HPV-Impfung und Multiple Sklerose – Kein Hinweis für einen Zusammenhang

Die Studie erfolgte landesweit in 2 skandivanischen Ländern (Dänemark und Schweden). Anhand von Registern wurde eine Kohorte von 10 bis 44-jährigen Mädchen resp. Frauen von 2006 bis 2013 und deren Impfstatus bezüglich HPV-Impfung (quadrivalenter Impfstoff) sowie das Auftreten von multipler Sklerose oder einer anderen demyelinisierenden Erkrankung verfolgt. Mit ca. 4 Mio Teilnehmerinnen wurde eine riesige Studienpopulation untersucht. Davon erhielten fast 800’000 eine HPV-Impfung mit knapp 2 Mio Dosen. Während  des Follow-ups kam es zu 4322 Fällen von multipler Sklerose und 3300 Fällen einer anderen demyelinisierenden Erkrankung, 73 resp. 90 Fälle jeweils während der Risikoperiode, die mit 2 Jahren festgelegt wurde.

In der Impfperiode, also der „Risikoperiode“ nach der Impfung,  wurde kein erhöhtes Risiko für eine multiple Sklerose festgestellt. Die Inzidenzrate betrug 6.1/100’000 Patientenjahre (PJ, 95%-CI 4.9-7.7) für die Impfperiode und 22/100’000 PJ (21.0-22.2) für die Nicht-Impfperiode. Für andere demyelinisierende Erkrankungen betrug die Inzidenz 7.5/100’000 PJ (6.1-9.3) für die Impfperiode, 16.1/100’000 PJ (15.6-16.7) für die Nicht-Impfperiode. Die korrigierte Inzidenzratio betrug 0.9 (0.7-1.2) resp. 1.0 (0.8-1.3) nach HPV-Impfung.

Konklusion

Diese Ergebnisse zeigen auf, dass weder die multiple Sklerose noch andere demyelinisierende Erkrankungen häufiger nach HPV-Impfung auftreten. Besser als mit einer solch grossen Kohortenstudie kann man dies gar nicht beweisen. Bedenken diesbezüglich sollten somit ausgeräumt sein.


Dr. med Rosamaria Fulchini

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