16. Juni 2021

Wann braucht es FFP2-Masken im Spital?

Maskentyp und Aerosole: was ist bekannt?

Sie gehören inzwischen zu unserem Alltag, die Masken, denen wir in der Corona-Pandemie auf Schritt und Tritt begegnen. Im Gesundheitswesen, wo die Mitarbeitenden häufig in Kontakt mit dem Virus kommen, sind sie allgegenwärtig. Doch welche Art der Maske im Spital am besten schützt, darüber wird intensiv diskutiert.

Viren können über Tröpfchen und Aerosole transportiert werden. Tröpfchen sind grössere Einheiten und werden von chirurgischen Masken abgefangen. Aerosole hingegen können wie über längere Zeit in der Luft schweben und eine chirurgische Maske durchdringen. Zwischen Tröpfchen und Aerosolen gibt es einen fliessenden Übergang. Ihr Anteil bei Übertragungen hängt vom Erreger, von Personen- und Umweltfaktoren ab.

Wir wissen, dass gewisse medizinische Eingriffe Aerosole produzieren können. Dazu gehören zum Beispiel die Herz-Lungen-Wiederbelebung oder die Lungenspiegelung (sogenannte Aerosol-generierenden Massnahmen). In diesen Situationen sind klar FFP2 Masken empfohlen.

Ob Aerosole auch in Situationen ausserhalb von Aerosol-generierenden Massnahmen eine Rolle spielen bei der Übertragung des SARS-CoV-2 Virus, das ist unklar. Damit stellt sich die Frage, ob es im Spital noch andere Situationen gibt, in denen FFP2-Masken mehr Schutz bieten.

Ziel der Studie

Wir führten eine prospektive Kohortenstudie mit insgesamt rund 3000 Spitalmitarbeitenden mit Kontakt zu COVID-Patienten in vier verschiedenen Schweizer Kantonen durch. Die Teilnehmer füllten wöchentliche Fragebogen aus, inkl. COVID-19-Testergebnisse, und wurden am Anfang und am Ende der Studie auf Antikörper gegen COVID-19 untersucht. Das Ziel war es, zu untersuchen, ob ein Unterschied in der Schutzwirkung von FFP2-Masken im Vergleich zu chirurgischen Masken im Spital besteht (Preprint Artikel, noch keine Peer-Review).

Was haben wir gefunden?

Die Daten zeigen, dass das Tragen von FFP2-Masken mit weniger Serokonversionen bei den Spitalmitarbeitenden assoziiert ist. Der Effekt war deutlich zu sehen bei Mitarbeitenden mit häufigem COVID-19-Patientenkontakt. Das heisst, dass in dieser Situation FFP2 wahrscheinlich besser vor einer Infektion schützen als chirurgische Masken. Dieser Effekt blieb bestehen nach Korrektur für eine ganze Reihe von Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Beruf, Risikoexposition, Risikoverhalten inkl. Verwendung von anderen Schutzmassnahmen. Hier gilt es zu erwähnen, dass der wichtigste Faktor für eine Ansteckung auch beim Gesundheitspersonal ein COVID-19-Kontakt ausserhalb des Spitals war.

In dieser Figur sieht man, wie häufig sich Mitarbeitende mit FFP2-Maske (in hellblau) im Vergleich zu solchen mit chirurgischer Maske (in schwarz) im Verlauf der 2. COVID-Welle angesteckt haben. Während der Unterschied für jene mit wenig Patientenkontakt (links) nicht signifikant war, zeigte sich ein klareres Resultat für jene mit häufigerem Kontakt (rechts):

Ähnliche Resultate zeigen sich, wenn die Anzahl an Serokonversionen zwischen den Gruppen verglichen wird. Für Spitalmitarbeitende, die bei Aerosol-generierenden Massnahmen IMMER, also unabhängig davon ob die Patienten COVID-19 haben oder nicht, eine FFP2 Maske getragen haben, fand sich kein Hinweis auf weniger SARS-CoV-2 Ansteckungen.

Was heisst das jetzt für uns?

Zusammenfassend kann man also ein vorsichtiges Fazit ziehen, dass FFP2-Masken bei Spitalmitarbeitenden mit viel COVID-19-Kontakt einen zusätzlichen Schutz bieten können, während die generelle Verwendung von FFP2-Masken keinen extra Nutzen bringt. Als Limitation muss erwähnt werden, dass dies nur eine Beobachtungsstudie ist, welche in erster Linie eine Assoziation beschreibt und nicht unbedingt einen kausalen Zusammenhang. Die Dringlichkeit der Maskenfrage wird sich mit fortschreitender Impftätigkeit verändern und wird voraussichtlich weniger relevant werden, je mehr Personen im Gesundheitswesen geimpft sind.

Autor Titelbild: Anthony Quintano, anthony@anthonyquintano.com

 

 

 


Dr. med Sabine Haller

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