Urinkatheter: Denn sie wissen nicht was sie tun

Sogenannte CAUTI (Catheter-associated urinary tract infection) gehören zu den häufigsten nosokomialen Infekten überhaupt. Eine Studie im Infection Control and Hospital Epidemiology (ICHE) vom Dezember 2011 zeigt dabei eines der Hauptprobleme in diesem Zusammenhang auf.

Bei Patienten mit einem Dauerkatheter (DK) liegt das Risiko für einen Harnwegsinfekt (HWI) zwischen 3 und 7% pro Tag. Vor allem ab dem 6. Tag steigt dieses noch einmal deutlich an. Da bis zu 16% aller Patienten im Verlauf einer Hospitalisation einen DK erhalten, sind nosokomiale Harnwegsinfekte Teil des medizinischen Alltags. Neben dem weiblichen Geschlecht sind Alter, ein nicht geschlossenes Drainage-System und vor allem natürlich die DK-Liegedauer die wichtigsten Risikofaktoren für die Entwicklung eines CAUTI. Die vorliegende Studie hat sich deshalb mit einer der grundlegenden Frage beschäftigt: weiss das betreuende Medizinalpersonal auf einer allgemeinen medizinischen Abteilung (Akutspital in Australien) überhaupt, ob (und wenn ja, weshalb) der Patient einen DK hat? Dies wurden auch die Patienten gefragt. Erstaunliches ist herausgekommen:
Nur 72% der betreuenden Assistenzärzte wussten, dass ihre Patienten einen DK hatten. Wenn Sie es wussten, verkürzte sich die DK-Liegedauer von durchschnittlich 8.8 auf 4.1 Tage (p=0.03). Die richtige Indikation für den DK kannten noch 62% aller Assistenten. Von den betroffenen Patienten (Pat. mit eingeschränkter Kognition ausgenommen) wusste knapp ein Viertel, weshalb sie einen DK hatten (siehe Figure 1). Weiter wurde festgestellt, dass die Indikation für einen DK oft (ca. 50% der Fälle) nicht eindeutig gerechtfertigt war.
Im Wissen um die bekannten CAUTI-Risikofaktoren muss davon ausgegangen werden, dass das fehlende Bewusstsein des betreuenden Medizinalpersonals einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Entstehung von CAUTIs beträgt. Weiss der betreuende Assistent, dass sein Patient einen DK hat, so kann die DK-Liegedauer mehr als halbiert und unter die kritische Grenze von 6 Tagen gebracht werden. Gleichzeitig besteht wohl ein grosser Nachholbedarf in punkto Patienteninformation. Die vorliegende Arbeit zeigt eindrücklich, wie das HWI-Risiko für Patienten mit DK durch gute Dokumentation und tägliche Überprüfung der Katheter-Indikation gesenkt werden könnte.

PD Dr. med. Philipp Kohler

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