Impfung gegen Herpes: Wirksam oder nicht?

Im St. Galler Tagblatt vom 18.8.09 berichtet Helga Kessler über einen Impfstoff gegen Fieberbläschen und Herpes Genitalis. Wie gut ist die Datenlage zu diesem Wundermittel.

Tatsächlich handelt es sich um einen sogenannten „therapeutischen Impfstoff“. Unter dem Markennamen Lupidon wird ein Impfstoff angepriesen, bei dem es sich um inaktivierte Herpes-Viren handelt. Das Präparat wurde vor knapp 40 Jahren eingeführt, wurde aber nie in einer sauberen Plazebo-Studie auf seine Wirksamkeit getestet, wie man dies für einen solchen Impfstoff erwarten würde.

Die Produktionsmethode der Antigen-Herstellung wurde dann in der Folge kritsiert, worauf das Produkt vom Markt genommen wurde. Seit einigen Jahren wird der Impfstoff nun wieder angeboten und wurde auch von der Swissmedic registriert. Allerdings besteht bezüglich Kassenpflicht eine Limitatio. Wir gehen davon aus, dass die Produktionsmethoden verändert wurden.

Spärliche Evidenz
Eine Literatursuche über Untersuchungen zu diesem Präparat verläuft spärlich. Es finden sich unter Medline lediglich einige Artikel zu Therapieerfahrungen mit Lupidon in dermatologischen Zeitrschriften der 70-er Jahre. Die meisten Artikel sind in Deutsch. Eine einzige Arbeit von 1995 haben wir gefunden, in der mehr als 100 Patienten untersucht wurden (Mastrolorenzo, 1995). In dieser randomisierten kontrollierten Studie wurden 142 Patienten mit Lupidon-Therapie mit 50 Patienten einer nicht doppelblinden Kontrollgruppe verglichen. Die Endpunkte waren Veränderung der Rezidivarate, Rezidivfreie Tage während der 1-jährigen Therapie und Dauer der Rezidive. Letztendlich sind alle drei Endpunkte voneinander abhängig und daher überrascht es nicht, dass alle signifikante Unterschiede zeigen. Unschön ist in diesem Vergleich ist auch, dass das mittlere Alter in den beiden Gruppen unterscheidlich war.

Unsere Empfehlung
Die Datenlage zu diesem Präparat würden wir als ungenügend einstufen. Der Kompendiumstext sagt auch eindeutig: Formale Wirksamkeitsstudien mit Lupidon H oder Lupidon G wurden nicht durchgeführt. Die klinische Wirksamkeit der Lupidon-Impfstoffe wurde jedoch in zahlreichen Studien belegt. Wir werden uns noch bei der Vertreiberfirma informieren und über weiterführende Daten hier berichten. Insbesondere die Datenlage zur Sicherheit dieser Impfung erachten wir als ungenügend. Angesichts der spärlichen Studien zur Wirksamkeit der Behandlung scheint uns eine Behandlung zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfehlenswert.

Imfpung gegen Herpes in Entwicklung
Tatsächlich wäre es wünschenswert einen wirklichen Impfstoff gegen Herpes genitalis zur Verfügung zu haben. Entsprechende Forschungsarbeiten laufen auf Hochtouren. Wilson et al. haben in einem Reviewartikel die bisherigen Entwicklungen auf dem Gebiet der Herpes-Imfpungen zusammengefassst.Die Aussichten auf eine baldige Einführung einer Herpes-Imfpung sind nicht sehr rosig.


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

Ähnliche Beiträge

Einmal Herpes – immer ansteckend?

Intuitiv würde man meinen, dass die meisten HSV-Übertragungen durch Kontakte mit Läsionen erfolgen. Häufigste Übertragungsursache sind jedoch kurze Episoden asymptomatischer...  Mehr

Herpes labialis: Gene entscheidend!

Fieberbläschen sind ein häufiges Problem und Folge einer Infektion mit Herpes simplex. Doch obwohl ein Grossteil der Menschen mit HSV infiziert ist, leiden nur ganz...  Mehr

Chlamydia-Screening per Post

Chlamydien - die häufigsten Erreger von Geschlechtskrankheiten - können auch ohne Symptome vorhanden sein und auch übertragen werden. Die Häufigkeit von nicht erkannten...  Mehr