WHO-Pressekonferenz zur A/H1N1-Pandemie 11/06/09

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Chan_WHO.jpgDie WHO hat heute 18 Uhr MEZ Pandemiestufe 6 ausgerufen. Was bedeutet dies für uns in der Schweiz? Eine Zusammenfassung der Medienkonferenz von Frau Dr. Chan, Director General of the WHO.

 

 

Globale epidemiologische Lage
Klicken auf Bild zum Vergrössern Die Ausbreitung der A/H1N1-Grippe schreitet weltweit unaufhaltsam voran. Inzwischen werden fast die Hälfte aller wöchentlichen neuen Fälle aus Ländern ausserhalb der ersten betroffenen Regionen Mexiko, USA und Kanda gemeldet. Nebenstehend finden Sie eine kummulative Aufstellung aller Fälle weltweit (Klick auf Grafik für Vergrösserung), untenstehend eine Grafik der wöchentlich neu gemeldeten Fälle.

 

Diese nun leicht ersichtliche weltweite Zunahme gab für die WHO nun den Ausschlag, die Pandemiestufe 6 auszurufen, wie dies von vielen Experten bereits erwartet worden war. Dies bedeutet aber lediglich, dass sich das A/H1N1 Grippevirus weltweit gleichzeitig ausbreitet – dies im Gegnsatz zur "saisonalen" Grippe, welche als Welle um die Welt wandert und nicht die ganze Welt gleichzeitig, sondern jeweils nur einzelne Regionen betrifft.H1N1_Cases_wkly.jpg

Auch wenn das A/H1N1 Grippevirus nicht mit der zuerst befürchteten Mortalität einhergeht und auch die vermutete Attack-Rate im Bereich eines "saisonalen" Grippevirus liegen dürfte so teilt die jetzige A/H1N1 Grippepüandemie dennoch einige beunruhigende Gemeinsamkeiten mit vergangenen Pandemien.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte aus Dr. Chan’s Pressekonferenz

Der im April 2009 erstmals aufgetretene A/H1N1 Influenza-Stamm ist neu und zirkulierte noch nie in der Vergangenheit. Es wird leicht von Mensch zu Mensch übertragen und kann sich so rasch ausbreiten. Am 11.06.2009 wudren weltweit fast 30’000 Fälle in 74 Ländern bestätigt. Es ist jedoch zu beachten, dass die meisten Fälle aus Ländern mit einem guten Surveillance-System gemeldet wurden und werden, und dass eine unbekannte Dunkelziffer besteht, insbesondere in Ländern mit limitierten Resourcen.

Aufgrund der wissenschaftlichen und epidemiologischen Daten hat die WHO in Absprache mit Experten aus der ganzen Welt beschlossen, die Pandemiestufe von 5 auf 6 anzuheben, und erklärt damit heute den Beginn einer A/H1N1 Pandemie. Dies das erste Mal in der Geschichte der Menschheit ist, dass eine Pandemie einem so frühen Stadium erkannt wurde und es nun möglich ist, die Ausbreitung der Pandemie in real time verfolgen zu können. Dies wird unser Wissen über Influenza-Viren und Pandemien erweitern. Es ist uns in den letzten Wochen klar geworden, dass durch das frühe Erkennen der beginnenden Pandemie unser Wissen nur bruchstückhaft ist, und die limitierte Datenlage eine wissenschaftliche Einschätzung schwierig macht.

Pandemie-Schweregrad

Die A/H1N1-Grippe-Pandemie ist von "moderate severity", aber der Schweregrad kann in Zukunft ändern. Symptome verursacht durch A/H1N1-Virus sind meist mild, und die meisten Patienten erholen sich vollständig auch ohne Therapie. Die Zahl der Todesfälle ist klein. Beunruhigender ist jedoch, dass die meisten Fälle in jüngeren Patienten auftreten – ein Merkmal, dass die jetzige Pandemie mit den vergangenen teilt. Ca. 2% entwickeln eine schwere Erkrankung mit einer raschen Progression zu einer Pneumonie. Diese schweren Fälle wurden bislang v.a. in der Altersgruppe 30-50 Jahre beobachtet. Risikofaktoren für einen schwereren Verlauf sind u.a. Atemwegserkrankungen (insbes. Asthma), Autoimmunerkrankungen, Übergewicht und Herzerkrankungen. Auch Schwangere haben ein erhöhtes Risko für Komplikationen.

Voraussage der Pandemieentwicklung

Wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird ist nicht voraussagbar. Die WHO erwartet mit zunehmender sekundärer Transmission rund um die Welt eine rasche Ausbreitung innert der nächsten 6-9 Monate. Länder, welche nur wenige Fälle zu verzeichnen haben, sollten versuchen durch Isolations- und Quarantänemassnamhen die Ausbreitung zu verzögern. Länder wie das UK, in denen schon viele sekundäre Fälle auftreten, sollten sich auf die Mitigation-Strategie konzentrieren. Dr. Chan hat ausdrücklich gesagt, dass in diesem Stadium der A/H1N1-Ausbreitung die Testung zur Bestätigung eingeschränkt werden sollte, da die Laborbestätigung jedes einzelnen Falles in diesem Mitigation-Setting die Resourcen jedes Landes unnötig belastet. Ein anschauliches Beispiel (siehe Grafik, Quelle CDC) liefert dazu die Entwicklung der Grippefälle in den USA: nach der saisonalen Grippewelle im Winter werden nun fast ausschliesslich A/H1N1-Viren bei Patienten mit Grippesymptomen nachgewiesen, was eine Testung jedes einzelnen Grippeverdachtsfalles unnötig werden lässt.

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Diese Grafik zeigt aber auch ein typisches Feature eines pandemischen Grippestammes: das ertse Auftreten erfolgt ausserhalb der typischen "Grippesaison". Die A/H1N1-Grippe ist also durchaus noch für (böse) Überraschungen gut. Länder wie Mexiko, in denen der Peak überschritten scheint, sollen sich auf eine mögliche zweite Welle des A/H1N1-Virus vorbereiten.

Empfehlungen

Die WHO empfiehlt keine Restriktion von Reisen oder das Schliessen von Grenzen zwischen Ländern. Jedes Land sollte gemäss der lokalen Bedrohungslage, definiert bei Fallzahl und Ausbreitung (Zahl sekundärer Fälle), die jeweils entsprechenden Massnahmen ergreifen.

Folgen für die Schweiz

Dies bedeutet für die Schweiz daher zur Zeit keine Änderung der Strategie. Wir werden aber mit grosser Sicherheit in naher Zukunft mit einer steigenden Fallzahl konfrontiert sein, und müssen dann dementsprechend unsere Strategien anpassen. In der Schweiz sind bislang 20 Fälle bestätigt, wobei die meisten innert der letzten Tage diagnostiziert wurden.

Dr. Chan schloss ihre Pressekonferenz mit der wichtigen Bemerkung, dass diese Pandemie für die Menschheit so speziell ist, da alle Menschen für das A/H1N1-Virus empfänglich sind. Die ganze Welt ist betroffen, und diese Pandemie müssen wir gemeinsam meistern.

 

Denn nur Eines ist sicher:

The only thing certain about influenza viruses is that nothing is certain.

 

Nähere Informationen zu Fallzahlen und Lagebeurteilung einzelner Behörden:

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