Sushi-Manie und Gesundheitsrisiko

Im Jahr 2007 wurde die Schleie in Deutschland und Österreich zum Fisch des Jahres gekürt. Die Schleie ist im grössten Teil Europas verbreitet mit Ausnahme von Griechenland, Schottland und Nordskandinavien. In Italien kam es im Jahr der Schleie (2007) zu einer kleinen Epidemie mit Opisthorchis felineus (dem Katzenleberegel) nach Genuss eben dieser Schleie.

Im Emerging infectious diseases vom Dezember 2008 wird ein kleiner Ausbruch in Mittelitalien mit Opisthorchis felineus (Katzenleberegel) beschrieben. 34 Leute aus der Provinz Viterbo waren an einem privaten Dinner eingeladen, und an diesem Dinner gab es marinierte Schleie, welche zuvor 3 Tage bei -10° gelagert wurde und dann 24h in Wenessig mariniert wurde.

12 Personen erkrankten mit Bauchschmerzen, Fieber, Nausea und Myalgien. Alle 34 Personen wurden auf Parasiteneier im Stuhl untersucht, und auch eine Serologie wurde abgenommen, und von den 34 Personen an diesem privaten Dinner wurden 22 infiziert, 10 blieben asymptomatisch, aber alle wiesen eine Eosinophilie auf. Das gibt eine Attackrate von 70 %, wobei vermutlich die nicht infizierten gar nicht von dem marinierten Fisch gegessen haben. Denn andere Ausbrüche von Opisthorchis felineus zeigen eine nahezu 100%ige Attack-Rate.

Unter Albendazole oder Praziquantel kam es zu einer prompten Verbesserung, und es blieben keine Schäden zurück. Früher kannte man diese Erkankung in Italien nicht, denn bis vor einiger Zeit war es in Italien üblich den Fisch gut durchzukochen. Vermutlich gerade weil man wusste, dass von rohem Fisch doch gewisse Krankheiten übertragen werden können. Mit der Globalisierung ist auch in Italien vermutlich die Sushi-Manie übergeschwappt, wie fast überall. Und somit werden wir mit einer "neuen" alten Erkrankung konfrontiert.

Der Katzenleberegel kann zu einer milden Symptomatik führen, wie hier in diesen Fällen beschrieben, er kann auber auch zu rezidivierenden Gallengangsentzündungen führen, und er wird bei einer chronischen Infektion als Risiko für eine Entwicklung eines Gallengangskarzinom gesehen.

 

Nebst der Möglichkeit der Infektion mit einem Fischbandwurm, besteht also bei Konsum von rohem Fisch auch die Möglichkeit sich einen Katzenleberegel zu holen. Da der Katzenleberegel v.a. karpfenartige Fische als Zwischenwirte befällt, ist von einem rohen Genuss dieser Fische abzuraten oder die Fische vorher richtig einzufrieren. Gemäss Literatur ist ein gefrieren in unter 10 ° für über 5 Tage zu empfehlen, oder über -28° für 24h, es kommt aber ganz auf die grösse des Fisches an, denn die Temperatur sollte im innern des Fisches so tief sein, was gelegentlich nicht beachtet wird.

Also darf man hier sagen: Gefrorener Fisch ist geeigneter als frischer Fisch, falls man ihn roh verspeisen will.

Beim Kochen hingegen besteht keine Gefahr.

 

Das obenstehende Bild für Sushi-Liebhaber, welche nicht auf Sushi verzichten wollen: Auch vegane Sushis sehen schmackhaft aus. 

 Quelle: Armignacco et al, Emerging Infectious Diseases, Dec.2008

Weitere Artikel zum Thema: Roher Fisch- Genuss oder Verdruss

Im Schweizer Medical Forum der Beilage zu der Schweizer Ärztezeitung wurde im Oktober 2009 ein Fall publiziert, wo ein 43 jähriger ein paar Stunden nach Genuss von Sushi Magenschmerzen bekam. Hier fand sich ein weiterer "Wurm" (Anisakis) übertragen durch den Konsum von rohem Fisch.

Lesen Sie die Fallbeschreibung selber, die Zeitschrift ist öffentlich zugänglich.

Schweiz.Med.Forum Oktober 2009 Coup d’Oeil

Noch ein Artikel aus dem Clin.Infectious Diseases September 2009, welcher Paragonimus-Infektionen (Paragonimus kellicotti) beschreibt nach Genuss von rohem Krebsfleisch.

http://www.journals.uchicago.edu/doi/pdf/10.1086/605534

Die Autoren der St.Louis Universtität in Missouri beschreiben in ihrem CID Artikel 3 Fälle mit einer Infektion von Paragonimus eines Lungenegels, nach Genuss von rohem Krebsfleisch. Mittlerweilen haben die Autoren au fder Homepage der Universität St. Louis in Missouri, 6 Fälle von Lungenparagonimiasis nach Genuss von rohem Krebsfleisch publiziert.

http://news.wustl.edu/news/Pages/20808.aspx

Die Symptome sind Fieber, Husten, Brustschmerzen, Atemnot und Müdigkeit. Die meisten Patienten wurden deshalb mehrmals wegen einer möglichen Lungenentzündung behandelt, natürlich erfolglos und waren über längere Zeit im Spital bis man dann endlich die Diagnose stellen konnte. Die Diagnose ist sehr selten, und häufiger im ostasiatischen Raum, wo der Lungenegel Paragonimus westermanii häufig vorkommt und ebenso zu solchen Lungenerkrankungen führen kann.

Wegweisend für eine Infektion ist auch eine Eosinophilie im Blut, also eine Erhöhung einer speziellen Zellart der weissen Blutkörperchen. Die Diagnose selbst wird dann schwierig für Paragonimus westermanii gibt es eine serologische Untersuchung ( also Antikörper im Blut) hingegen gibt es dies für den Paragonimus kellicotii noch nicht.

Durch die Zunahme des Konsumes von rohem Fisch werden wir wohl immer mal wieder mit seltenen Krankheitserregern konfrontiert werden, und müssen demzufolge immer auch an seltene und ungewöhnliche Infektionen denken!


Dr. med. Katia Boggian

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