Antibiotikaprophylaxe bei Trägern von Gelenksprothesen?

Gibt es eine Analogie zur Endokarditisprophylaxe bei Trägern von Gelenksprothesen? Welches sind Risikosituationen für Infekte von Gelenksprothesen? Welche Träger von Gelenksprothesen sind besonders gefährdet für eine Infektion derselben? Diesen und anderen Fragen gehen M. Rossi et al. in der SÄZ Nr. 39/2004 nach.

Mangels kontrollierter Studien zum Thema sprechen die Autoren (Rossi et al. in der SÄZ Nr. 39/2004) vorsichtig von „Empfehlungen“, nicht „Richtlinien“.

Festgehalten wird, dass der Analogieschluss von der Endokarditisprophylaxe auf eine routinemässige Antibiotikaprophylaxe bei Eingriffen an Trägern von Gelenksprothesen nicht gilt, weil sich Pathogenese und Keimspektrum bei Endokarditis und Protheseninfekten wesentlich unterscheiden. Bei Staph. aureus als häufigstem Erreger von infizierten Gelenksprothesen ist es hingegen wichtig, Haut- und Weichteilinfekte schnell und gezielt zu behandeln, um Bakteriämien zu vermeiden. Auch andere Infektionen – beispielsweise Harnwegsinfekte oder Paradontitis – sollten gesucht und behandelt werden, insbesondere wenn Eingriffe mit Risiko für Bakteriämien bevorstehen. Wenn immer möglich sollten solche Eingriffe nicht im ersten Jahr nach Prothesenimplantation durchgeführt werden.

Fremdkörper wie Blasen- und intravasale Katheter sollten so rasch als möglich wieder entfernt werden.

Situationen, die eine Antibiotikaprophylaxe auch bei Trägern von Gelenksprothesen rechtfertigen, werden wie folgt genannt:

  • Eingriff bei Patienten im ersten Jahr nach Implantation der Prothese

  • Rheumatoide Arthritis mit Immunsuppression oder anderen zusätzlichen Risiken (Bsp. Diabetes mellitus) sowie Hämophilie

  • Zahneingriffe von >45min Dauer oder sehr schlechtem Zustand der Gingiva

  • Notfalleingriffe bei vorbestehender Infektion im Op-Gebiet (auch Verdacht)

Als erste Wahl für eine Prophylaxe wird Amoxicillin/Clavulansäure 2g po 1h vor und 1g 4h nach Eingriff, als zweite Wahl Clindamycin 600mg po 1h vor und 4h nach Eingriff empfohlen.


Dr. med Maria Hupfer

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