25. Juni 2017

Joghurt bei Antibiotika – Vielleicht doch sinnvoll

Wir wissen ja schon länger, dass der Einsatz von Antibiotika die Darmflora beeinflusst. Wir kennen auch zu gut die schwere Infektion mit Clostridium diffizile v.a. bei hospitalisierten Patienten, die Antibiotika erhalten haben. Die Infektion kann die Hospitalisationsdauer verlängern und den Heilungsverlauf beeinträchtigen.

Immer wieder empfehlen wir bei Antibiotika-Therapie die Einnahme von Joghurt, um die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms positiv zu beeinflussen, doch die Evidenz für diese Massnahme ist spärlich. Nun hat eine Metaanalyse von US-Autoren 19 publizierte Studien zusammengefasst und findet doch eindrückliche und eindeutige Resultate für den Einsatz von Laktobazillen.

Laktobazillen – früh eingenommen – begünstigen den Verlauf
In dieser Metaanalyse wurden Studien erfasst, welche den Einsatz von hochdosierten Probiotika (meist Lactobazillus) bei hospitalisierten Patienten untersuchten, welche Antibiotika-Behandlungen erhielten. Als Endpunkt wurde das Auftreten von Clostridium difficile Kolitis untersucht. In diesen 19 berückschtigten Studien wurden insgesamt gut 6000 Patienten eingeschlossen. Es zeigte sich, dass der gleichzeitige Einsatz von Laktobazillen mit den Antibiotika zu einer deutlichen Reduktion von C. diff Kolitis beitrug. Die C.diff Rate sank auf fast 40% der Rate bei den nicht mit Laktobazillen behandelten Patienten.

Dies ist ein äusserst beeindruckender Effekt. Leider unterescheiden sich die Studie bezüglich Wahl des Probiotikums, doch in den meisten Fällen wurden Laktobazillen verabreicht, in einigen auch Sacharomyces boulardi, eine Intervention, die schon früher deutliche Resultate zeigte. Auch die verwendete Dosis war sehr unterschiedlich, im Mittel ca 10 Milliarden Kolonie bildenden Einheiten.

Die mit Abstand die grösste bisher durchgeführte Studie (Allen 2013, n>2900) konnte  noch keinen solchen Effekt dokumentieren. Doch die Studie hatte den Nachteil, dass das Probiotikum erst bis 7 Tage nach Antibiotika-Einnahme verabreicht wurde. Die aktuelle Metaanalyse konnte aber zeigen, dass die Wirkung erst deutlich wird, wenn das Probiotikum in den ersten 2 Tagen nach Antibiotika-Beginn eingesetzt wird.

In der untenstehenden Tabelle ist der Effekt der Probiotika-Einnnahme kumulativ aufgeführt, wenn jedes Studie einzeln in die Analyse aufgeführt wird. Es zeigt sich bei Berücksichtigung aller Studien eine Risikoreduktion auf 42%.

Wann, wieviel und welches Probiotikum ?
Offensichtlich sind Laktobazillen ausreichend, um die Darmflora wiederherzustellen. Die Dosierung, die dabei verwendet werden soll, ist allerdings noch fraglich. In der Studie wurden Dosen bis 900 Milliarden Kolonie-bildende Einheiten pro Tag eingesetzt (minimum: 12 Mia E.). Sicher müssen wir dazu noch mehr Daten erheben. Es zeigte sich in der Analyse aber auch, dass die Intervention mit einem Probiotikum keine signifikanten Nebenwirkungen hinterlässt. Insgesamt scheint die Gabe unproblematisch. Die Probiotika sind billig und eigentlich in einer normalen Diät mit ausreichend Joghurt und etwas Zusatz von Laktobazillen einfach zu realisieren.

Quelle: Shen et al, Gastroenterology, 2017;152:1889–1900

Foto von AJC1


Prof. Dr. Pietro Vernazza