26. Juli 2016

Wenn einer eine Reise tut…….

dann tut er sie nicht alleine! Seine ganze mikrobiologische Flora reist mit, und der Mensch setzt sich den Keimen im Reiseland aus, ob er will oder nicht.

Die Forschungsgruppe um Andrea Endimiani in Bern hat bei 38 Indienreisenden die Stuhlbakterien vor der Reise und nach der Reise untersucht. Es ging darum Screening-Methoden für Cefalosporin- und Carbapenemresistente Enterobacteriaceae zu testen.

Von den 38 Reisenden kamen 26 mit resistenten Bakterien zurück. In der Screeningmethode zeigte sich wohl keine Colistinresistenz und keine mcr-1-Positivität. Erst mit einer Anreicherung über Nacht und speziellen CHROMagar Platten, welche mit Colistin ergänzt wurden, konnte dann eben doch bei 4 Reisenden auch Colistin-resistente E.coli nachgewiesen werden. Der Artikel zeigt, dass wir mit Screeningmethoden allenfalls gewisse Resistenzen übersehen können!

Das sogenannte mcr-1 Gen, welches die Colistin-Resistenz kodiert, kann leider unter den Darmbakterien einfach weitergegeben werden, weil es auf einem Plasmid liegt. Plasmide werden zwischen Bakterien ganz einfach ausgetauscht, was zu einer Ausbreitung von super-resistenten Keimen führen würde. Colistin ist ein sehr altes Antibiotikum, ist nierentoxisch, weshalb es durch die neueren Antibiotika ersetzt wurde. Aber bei gewissen Resistenzen ist es eben noch das einzig wirksame Antibiotikum und dann muss es eingesetzt werden. Deshalb ist es absolut wichtig, Keime , welche gegen Colistin resistent sind, früh zu entdecken. Die Forschergruppe hat gezeigt, dass dies mit den normalen Screeningmethoden offenbar nicht gelungen ist. Erst nach Anreicherung über Nacht auf einem speziellen Agar mit Colistin Suppletion, zeigt sich dann die gefährliche Resistenz.

Generelle Info:  Bei jemandem der gesund ist und seine Darmflora in den Ferien sich einfach mit einem solchen resistenten Keim kolonisiert, der wird nichts davon merken, und im Verlauf der Zeit allenfalls diesen resistenten Keim auch wieder verlieren. Ein Problem wird es eben erst, wenn jemand mit einer Besiedelung seiner Darmflora mit einem resistenten Keim ins Spital kommen muss, und je nachdem allenfalls sogar eine Infektion mit dem resistenten Keim aufweist. Dann gestaltet es sich schwierig eine korrekte Therapie zu installieren und deshalb muss so jemand eben isoliert werden, damit es nicht zur Übertragung auf andere Patienten kommt.

Der Übertragung des resistenten Keimes von Mensch zu Mensch können wir durch geeignete spitalhygienische Massnahmen Einhalt gebieten. Aber wenn eine solche Resistenz auf einem Plasmid sitzt, wie in diesem speziellen FAll des mcr-1-Gen’s dann kann es eben zu Übertragungen der Resistenz innerhalb der Bakterien in einem Darm ( sprich also in einem Menschen) kommen. Dies könnte zu Resistenzen bei den verschiedensten Darmbakterien führen.

In den Spitälern müssen wir dessen gewahr sein  und Patienten nach Reisen in Länder mit hoher Resistenzlage,  auch auf solche resistenten Keime  screenen, damit wir geeignete Massnahmen treffen können, die wenigstens eine Übertragung von Mensch zu Mensch verhindern.

 


Dr. med Katia Boggian

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