27. Juni 2016

Effektiv Katheter-assozierte Harnwegsinfekte vermeiden

Katheter-assozierte Harnwegsinfektionen (catheter-associated urinary tract infecions or CAUTI) sind häufig und häufig vermeidbar durch das alleinige Entfernen des Katheters respektive das korrekte Anwenden von aseptischen Massnahmen bei Einlage und Unterhalt.

Schon vor über 7 Jahren war das Ziel der USA, die CAUTI bis 2013 um 25% zu reduzieren. Dieses Ziel wurde nicht nur nicht erreicht, die Anzahl von CAUTI’s stiegen von 2009-2013 sogar um 6%. Was ging schief, und welche infektpräventiven Massnahmen würden greifen?

In Analogie zu den bekannten infektpräventiven Massnahmen im Bereich Katheter-assozierte Bakteriämien wurde ein Bündel an Massnahmen definiert, welches aus technischen und edukatorischen Aspekten bestand (siehe Tabelle 1). Das Programm wurde von staatlicher Seite unterstützt und gefördert.

CAUTI1

Ziel der im New England Journal of Medicine publizierten Studie  war die Verminderung der CAUTI definiert als Anzahl der Harnwegsinfektionen pro 1000 Kathetertage.

Methoden

Es handelt sich um eine 18-monatige Interventionsstudie in verschieden Spitälern der USA. Zu Beginn wurden Baseline Daten erhoben zur Anzahl Urinkatheter und Anzahl CAUTI’s. Gleichzeitig  erfolgten Informations-und Lernveranstaltungen zur Infektprävention bei CAUTI mit speziellem Augenmerk einerseits auf technischen Aspekte (korrekte Einlage und Unterhalt, Händehygiene) und anderseits auf tägliche Evaluation bezüglich Indikation des Katheters, möglichen Alternativen zu Harnwegskatheter etc. Dann wurde das erwähnte Massnahmenbündel implementiert, in regelmässigen Abständen die Lern-und Informationsveranstaltungen wiederholt und die Anzahl von CAUTI’s überwacht.

Resultate

Daten von gut 900 Abteilungen in über 600 Spitälern in 32 Staaten der USA liegen vor, was ca. 10% der Akutspitäler der USA ausmacht. Von den teilnehmenden Abteilungen sind 60% „Normalabteilungen“ und 40% Intensivstationen.

Insgesamt konnte die Anzahl CAUTI/1000Kathetertage von 2.4 auf 2.05 reduziert werden (95%-CI 0.76-0.96, P=0.009). auf den Normalabteilungen konnte die Anzahl Katheter von 20.1% auf 18.8% reduziert werden und die Anzahl CAUTI/1000 Kathetertage von 2.28 auf 1.54 (95%-CI 0.56-0.92, P<0.001). Auf den Intensivstationen sank die Anzahl von Urinkathetern wie die Anzahl CAUTI nicht signifikant.

Diskussion

Das infektpräventive „CAUTI-Bündel“ bestehend aus technischen (Überprüfen von Alternativen bei der Indikation und im Verlauf, ob der Katheter noch benötigt wird, Asepsis bei Einlage und Unterhalt, optimale Händehygiene) und edukatorischen Aspekten (Teaching, Feedback) reduziert auf Normalabteilungen die Anzahl CAUTI’s, zeigt hingegen keine relevante Wirkung auf Intensivstationen. Patientin auf Intensivstationen haben häufig Urinkatheter aus andern Gründen als auf Normalabteilung (Monitoring der Diurese, Intubation etc.) welche mit oben genannten Massnahmen schwierig reduzierbar sind.

Als Limitatio handelt es sich hier nicht um eine randomisierte Studie mit ganz unterschiedlichen Abteilungen, auch war die konkrete Anwendung und Umsetzung der empfohlenen Massnahmen den jeweiligen Abteilungen überlassen und sind somit nicht standardisiert.

Die Implementierung von Infektpräventiven Massnahmen ist komplex, vielschichtig und häufig sehr aufwendig und das Gelingen abhängig von einer sorgfältigen Vorbereitung und Umsetzung. Einmal mehr scheint ein Bündel von klar definierten Massnahmen mit zum Erfolg zu führen. Möglicherweise hat auch die Verantwortlichkeit der Umsetzung lokal durch die involvierten Kliniken zum Erfolg beigetragen.

Mit Spannung darf  das Resultat einer laufenden Pilotuntersuchung zum Thema in der Schweiz erwartet werden.

 


Dr. med Domenica Flury

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