17. Dezember 2015

HPV und Analkarzinom – Risiko bei HIV+ Männern

Bei Frauen kann eine Infektion mit HPV zum Gebährmutterhalskrebs führen. Männer, die Sex mit Männern haben, sind ebenso gefährdet. Analkrebs wird auch durch HPV ausgelöst.

Das Risiko einer Entstehung eines Analkarzinoms beim Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) wird oft im medizinischen Management, gerade bei HIV-positiven Männern, vernachlässigt. Eine Spanische Multizenterstudie hat dieses Risko systemstisch untersucht.

Spanische Kohortenstudie
In dieser prospektiven Untersuchung wurden 612 MSM über rund 2 Jahre jährlich auf das Vorhandensein von HPV Virustypen mit Krebsrisiko (onkogen) untersucht. Von Interesse war insbesondere, wie oft es zum neuen Auftreten (Inzidenz) von onkogenen HPV Viren kam und wie oft das Virus auch spontan verschwand (clearance). Die onkogenen Virustypen werden mit Zahlen bezeichnet, die bekanntesten (und auch in der HPV-Impfung enthaltenen Typen) sind 16 und 18.

Hohe HPV Inzidenz
Die Inzidenz aber auch die HPV-Clearance war für jeden Genotyp unterschiedlich, doch insgesamt mit rund 10-15 auf 100 Personen-Jahre doch recht hoch. Das spontane Verschwinden eines Genotypes war besonders selten beim Genotyp 16, einem Virustyp mit hoher Entartungsrate
Werden Inzidenz und Clearance in einem Quotienten ausgedrückt, so ergibt das ein Risiko für die Persistenz eines onkogenen Virus in der Analschleimhaut. Dieses Risiko war am höchsten beim HPV Typ 16 (untenstehende Abbildung, HPV-Typen auf Y-Achse).

Geskus_HPV_incidenceClearance
HPV bleibt wichtig bei HIV-pos MSM
Die analen Infektionen mti HPV waren lange zu wenig beachtet worden. Doch die Zunahme von Analkarzinom bei HPV-pos. MSM zeigt, dass wir uns vermehrt um diese sexuell übertragbare Infektion bei MSM kümmern müssen. Wir haben in unserer Sprechstunde damit begonnen, allen MSM die Anoskopie als Vorsorgeuntersuchung anzubieten. Die HPV Impfung ist in der schweiz auch für Männer zugelassen. Sie dürfte im nächsten Jahr bald auch von den Kassen übernommen werden, analog zur Impfung bei Frauen, welche auch im Rahmen von kantonalen Programmen bezahlt wird.


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza