Aktuelle Situation zu EHEC 31.5.2011

Die Erkrankungszahlen in Deutschland nehmen weiter zu: bis Montagabend waren über 1400 Fälle gemeldet worden.

Ausserdem melden auch weitere, Europäische Länder EHEC Fälle mit schweren Verläufen, wie z.B. Dänemark, Schweden, Grossbritannien, Österreich und die Niederlande.

Leider ist die Quelle der EHEC-Bakterien weiterhin unbekannt. Zwar wurden EHEC an 3 Gurken gefunden, aber nun ist klar: dieser EHEC ist nicht der Erreger, der für die Epidemie verantwortlich ist. Somit ist alles wieder unklar und die Zahl der Erkrankungsfälle wird zunehmen. Momentan gilt immer noch die Empfehlung, Gurken, Tomaten und Salatblätter in Norddeutschland zu meiden. Gemäss RKI gibt es kein nennenswertes Absinken der Fallzahlen. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass die kontaminierten Lebensmittel alle schon aufgegessen oder vernichtet sind.

Zwar geht man immer noch von kontaminiertem, rohem Gemüse aus, aber der Beweis, dass dies wirklich die Quelle ist muss noch erbracht werden. Das Gemüse könnte durch Wasser kontaminiert worden sein, denn eigentlich sind EHEC eher in tierischen Produkten zu finden. Aber die Erhebungen des RKI zur aktuellen Situation ergab eben, dass die Erkrankten überdurchschnittlich mehr rohes Gemüse gegessen haben als Vergleichspersonen.

Bislang sind wohl alle Fälle in den anderen europäischen Ländern irgendwie mit einem Aufenthalt in Norddeutschland gekoppelt. Auch in der Schweiz meldet das BAG heute  2 Fälle mit dem gleichen EHEC-Erreger wie in Deutschland (bestätigt durch das Nationale Referenzzentrum für Enteropathogene Bakterien (NENT) ) . Beiden Personen geht es gesundheitlich gut, es seien keine Komplikationen aufgetreten. Beide erkrankten Personen hatten sich vor Krankheitsausbruch in Deutschland aufgehalten.

Wir werden wohl auch in der Schweiz vermehrt noch mit "Reiserückkehrern" aus Deutschland konfrontiert werden, welche mit einer möglichen EHEC-Erkrankung zurückkommen.

Der EHEC-Erreger scheint virulenter zu sein, als sonst üblich. Der hohe Anteil von schweren Verläufen ist ungewöhnlich. Diese Form des EHEC-Erregers wurde bisher in der medizinischen Literatur nur einmal als Auslöser eines HUS beschrieben, und zwar in Korea. ( 2006)

Ein ähnlicher Stamm (E.coli O104:H21) wurde 1994 in den USA (Montana) beschrieben. Damals hatte man die Milch im Verdacht, aber trotz intensiver Suche konnte der Erreger damals weder in den Herstellerbetrieben noch in den Kühen dingfest gemacht werden. Der Ausbruch war seinerzeit sehr viel kleiner: 11 bestätigte Fälle und 7 Verdachtsfälle. ( MMWR 1995)

EHEC-Erkrankung:

Bis zum Einsetzen der Durchfälle können 3-10 Tage vergehen. Es kann zu Durchfällen mit Bauchkrämpfen und, bei schwereren Fällen, zu blutigen Durchfällen kommen. Wichtig ist in dieser Situation KEINE Antibiotika einzunehmen, denn durch die Einnahme der Antibiotika zerfallen die Keime und setzen das gefährliche Shiga-Toxin frei.

Bei schweren Verläufen mit Freisetzung von Shiga-Toxin, kann es dann zum hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) kommen.

Hier die FAQ des BAG von heute: 31. Mai 2011

Im Mai 2011 sind in Deutschland vermehrt Fälle von Infektionen mit dem Bakterium
Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) aufgetreten, zum Teil mit schwerwiegenden
Krankheitsverläufen bis hin zu Todesfällen. Hier finden Sie Antworten zu den wichtigsten
Fragen im Zusammenhang mit EHEC.
Was ist unter EHEC zu verstehen?
Mit EHEC wird ein bestimmtes krankmachendes Darmbakterium aus der Gruppe der Coli-Bakterien
bezeichnet, das beim Menschen blutige Durchfallerkrankungen auslösen kann. Deshalb der Name
‚enterohämorrhagisches Escherichia coli‘ (EHEC). Die Bakterien können ein Gift produzieren, das
Shigatoxin, weshalb sie auch ’shigatoxinbildende Escherichia coli‘ (STEC) genannt werden.
Ist EHEC ein neuer Keim?
Nein. EHEC-Bakterien sind nicht neu, sondern seit langem bekannt. Dem BAG werden jährlich
durchschnittlich etwa 50 bis 70 Nachweise von EHEC gemeldet. Es handelt sich in der Regel um
sporadische Fälle, das heisst Erkrankungen, die nicht auf eine gemeinsame Quelle zurückzuführen
sind.
Wie verläuft eine Infektion mit EHEC?
Eine Infektion kann frei von Symptomen verlaufen. Andernfalls treten drei bis vier Tage nach einer
Ansteckung Durchfälle und starke Bauchkrämpfe auf. Bei 10 bis 20% dieser Fälle entwickelt sich
nach ein paar Tagen eine schwere Verlaufsform mit blutigem Durchfall und Fieber. Dabei zerstört das
von den Bakterien produzierte Toxin die Zellen der Darmwand und der Blutgefässwände. Säuglinge,
Kleinkinder, ältere und abwehrgeschwächte Menschen sind besonders gefährdet und erkranken
häufiger schwer. Beim Menschen erfolgt die Ausscheidung der Bakterien typischerweise in einem
Zeitraum von 5 bis 20 Tagen, kann sich insbesondere bei Kindern jedoch auch über mehrere Monate
erstrecken. In dieser Zeit ist eine Ansteckung weiterer Personen möglich.
Was ist unter HUS zu verstehen?
Als Komplikation einer EHEC-Infektion kann das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auftreten,
wobei Nieren, Blutgefässe und Blutzellen angegriffen werden. HUS tritt in 5 bis 10% der
symptomatischen EHEC-Infektionen auf und ist der häufigste Grund für akutes Nierenversagen im
Kindesalter. Trotz intensiver Behandlung enden etwa 5% der HUS-Fälle tödlich, und in 20% bleibt
eine Nierenschädigung zurück..
Was muss auf Reisen nach Deutschland beachtet werden?
Generell rät das BAG derzeit nicht von Reisen in die betroffenen Gebiete Deutschlands ab. Die
Behörden vor Ort verfügen indes über die direktesten Informationen. Reisende nach Norddeutschland
sollten deshalb die aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesundheitsbehörden beachten. Sie
finden aktuelle Informationen zu EHEC unter folgenden Adressen:
– Robert Koch Institut (www.rki.de)
– Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (www.bmelv.de)
– Bundesinstitut für Risikobewertung (www.bfr.bund.de)
– Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (http://www.bzga.de)
Die Deutschen Behörden empfehlen auch weiterhin, Tomaten, Salatgurken und Blattsalate
insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren. Gekochtes Gemüse ist aber unbedenklich.
Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch kontaminierte Lebensmittel. Eine Übertragung von
Mensch zu Mensch ist sehr selten und kann durch eine korrekte Toiletten- und Händehygiene
verhindert werden.
Greift der Ausbruch nun auch auf die Schweiz über?
Nein. Die EHEC-Bakterien werden nicht so einfach wie etwa Grippeviren von Mensch zu Mensch
weitergegeben. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist zwar grundsätzlich möglich, tritt aber
selten auf, zum Beispiel beim direkten Kontakt mit Stuhl von Patienten. Sie kann aber durch korrekte
Händehygiene verhindert werden.
In der Schweiz gibt es derzeit keine Hinweise auf ein gehäuftes Auftreten von EHEC-Fällen, welche
darauf schliessen lassen, dass sie sich innerhalb unseres Landes an einer gemeinsamen Quelle
angesteckt hätten. Das BAG geht daher nicht davon aus, dass Lieferungen der Lebensmittel, die in
Norddeutschland den Ausbruch verursacht haben, in die Schweiz gelangt sind.
Es wurden jedoch auch in der Schweiz einzelne EHEC-Fälle beobachtet, die in Zusammenhang mit
dem Ausbruch in Deutschland stehen. Es handelt sich dabei um Personen, die sich auf einer Reise
nach Norddeutschland durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel angesteckt haben.
Kann man sich mit EHEC durch Gemüse anstecken?
Die Übertragung der EHEC-Bakterien erfolgt vorwiegend durch kontaminierte Lebensmittel. Auf
diesem Weg kann die Infektion grundsätzlich auch über verunreinigtes Gemüse oder Obst erfolgen.
Obst und Gemüse sind jedoch viel seltener eine Infektionsquelle als tierische Lebensmittel. In der
Schweiz wurde bisher auch noch nie ein durch pflanzliche Lebensmittel verursachter Ausbruch von
EHEC beobachtet, wie er jetzt in Deutschland auftritt.
Warum kann Gemüse mit EHEC-Bakterien belastet sein?
Bei der Anwendung der üblichen Produktionsmethoden ist eine Kontamination des Gemüses mit
EHEC quasi ausgeschlossen. Wird zur Bewässerung jedoch kontaminiertes Wasser verwendet oder
Naturdünger unsachgemäss angewendet, kann unter Umständen auch Gemüse mit EHEC-Bakterien
belastet werden.
Ist das Gemüse auf dem Schweizer Markt sicher?
Ja. In der Schweiz wird derzeit vorwiegend inländisches Gemüse vermarktet. Dieses ist nicht von den
Vorfällen in Norddeutschland betroffen. Abklärungen des BAG haben ergeben, dass die
Wahrscheinlichkeit sehr klein ist, dass Tomaten, Gurken und Salat, die auf dem norddeutschen Markt
angeboten wurden und mit dem Ausbruch in Zusammenhang gebracht werden, auch in der Schweiz
in den Verkauf gelangt sind.
Das aktuelle Angebot an inländischer Ware und alternativen Gemüsesorten ist zudem so reichhaltig,
dass besorgte Konsumentinnen und Konsumenten aus Vorsichtsgründen andere Produkte wählen
können.
Wie können EHEC-Bakterien abgetötet werden?
Durch Erhitzen wie Kochen, Braten, Garen und Schmoren werden EHEC-Bakterien sicher abgetötet.
Voraussetzung ist, dass für mindestens zwei Minuten eine Temperatur von 70°C im Kern des
Lebensmittels erreicht wird. Gekochtes Gemüse ist daher absolut unbedenklich.
Gegenüber anderen Umwelteinflüssen, beispielsweise Kälte oder Austrocknung, sind diese Bakterien
jedoch relativ unempfindlich. Daher lassen sich die EHEC-Bakterien durch Tiefgefrieren von
Lebensmitteln nicht zuverlässig abtöten.
Können EHEC-Bakterien auch in verarbeiteten Lebensmitteln und Konserven vorkommen?
Dies hängt von der Art der Verarbeitung ab. Bei Produkten, bei denen das Gemüse nicht mehr roh ist,
also zum Beispiel bei vorgekochten Speisen, besteht keine Gefahr einer Übertragung der Bakterien.
Auch die Erhitzung bei der Herstellung von Konserven überleben die Bakterien nicht. Bei Produkten
wie eingelegten Gurken stellen der niedrige pH-Wert und der Salzgehalt eine ausreichende
Konservierung dar.
Wie können sich die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten schützen?
Das BAG empfiehlt den Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz, die gängigen
Hygieneempfehlungen im Umgang mit Lebensmitteln zu beachten. Diese sind im Internetangebot des
BAG unter zu
finden. Im konkreten Fall empfiehlt das BAG:
– Rohes Gemüse und Obst vor dem Konsum gründlich waschen oder auch schälen.
Durcherhitztes (gekochtes) Gemüse ist unbedenklich.
– Generell auf sorgfältige persönliche Hygiene achten und regelmässig die Hände waschen, vor
allem nach dem Gang auf die Toilette. An Durchfall erkrankte Personen dürfen keine
Lebensmittel zubereiten.
– Hygienisch besonders gefährdetes Fleisch (Hackfleischprodukte, Geflügel) vollständig
erhitzen.
– Rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und zubereiten, auch beim Grillen
(dabei möglichst verschiedene Bretter, Teller, Zangen verwenden).
– Flächen und Gegenstände nach Kontakt mit rohem Fleisch, Verpackungen oder Tauwasser
sofort gründlich reinigen und abtrocknen (am Besten mit Einwegküchentüchern).
– Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und
bei mindestens 60°C waschen.
Was ist zu tun, wenn man an anhaltendem oder gar blutigem Durchfall leidet?
Falls die obengenannten Symptome auftreten und der begründete Verdacht besteht, dass eine
Ansteckung stattgefunden hat – zum Beispiel nach Aufenthalt in einer betroffenen Region oder nach
engem Kontakt zu Personen, die nachgewiesenermassen an EHEC erkrankt sind –, sollte zur
Abklärung so schnell wie möglich ein Arzt konsultiert werden. Zu bedenken ist, dass es viele mögliche
Ursachen für Durchfall gibt, und dass EHEC äusserst selten auftritt.
Wie wird eine durch EHEC verursachte Erkrankung behandelt?
Die Behandlung erfolgt symptomorientiert. Eine Bekämpfung des Erregers durch Antibiotika ist nicht
erfolgversprechend, da schnell Resistenzen auftreten, die Ausscheidung der Bakterien verlängert
wird, oder der Krankheitsverlauf durch eine erhöhte Toxinbildung verschlimmert werden kann.

 

Diese FAQ wurden vom BAG publiziert, weitere Informationen:
Bundesamt für Gesundheit, Abteilung Kommunikation und Kampagnen, Sektion Kommunikation, media@bag.admin.ch, www.bag.admin.ch

Weitere, allgemeine Informationen des BAG zu EHEC:


Weitere Auskünfte:
Abteilung Lebensmittelsicherheit: lebensmittelsicherheit@bag.admin.ch
Abteilung Übertragbare Krankheiten: epi@bag.admin.ch

Medienanfragen:
Sektion Kommunikation: media@bag.admin.ch


Dr. med. Katia Boggian

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