Cryptococcus gattii: zunehmende Ausdehnung in Nordwest-Amerika

Der Hefepilz Cryptococcus gattii ist neu in gemässigten Gebieten zu finden. Er verursacht auch unter Immungesunden ernstzunehmende Erkrankungen.

Neu Ausbreitung in gemässigten Gebieten
Cryptococcus gattii war ursprünglich beheimatet in tropischen und subtropischen Gebieten mit Eukalyptuswäldern (z.B. Australien und Neuseeland). Dann breitete sich dieser Hefepilz aus und wurde in Asien, Afrika und Südamerika nachgewiesen. 1999 wurden Fälle auf Vancouver Island in Kanada gemeldet, kurz danach auf dem kanadischen Festland (British Columbia), über die letzten Jahre ereigneten sich auch Fälle in den Staaten Washington und Oregon, und es wird mit einem Übergreifen auf das nördliche Kalifornien gerechnet.
Unklar ist, wie die Ausbreitung des Pilzes erfolgt. Suche nach Pilzsporen in Luft, Wasser und Erdproben waren negativ. Neben dem Menschen erkranken auch beispielsweise Katzen, Hunde und Elche. Da diese aber nicht migrieren, ist  eine Verschleppung und somit Arealvergrösserung über diese wenig wahrscheinlich.

Wer erkrankt?
Bisher ist die Inzidenz gering, aber die Bedeutung dieses Erregers liegt darin, dass aufgrund der Adaptation auf gemässigte Zonen mit einer weiteren Ausbreitung gerechnet werden muss. Zudem erkranken (im Gegensatz zu Cryptococcus neoformans, der bevorzugt Immungeschwächte befällt und als Erreger von Meningitiden bei HIV-Erkrankten wohlbekannt ist) auch Immungesunde. Dabei ist allerdings bei Fällen in British Columbia aufgefallen, dass eine grosse Zahl der Erkrankten (Ex-)Raucher sind und/oder eine Lungen- oder Krebserkrankung oder eine kürzliche Kortisontherapie vorlagen.

Krankheitsbild
In British Columbia präsentierten sich die Patienten vor allem mit pulmonalen Beschwerden, vorrangig Husten, Dyspnoe und Brustschmerzen, sowie Gewichtsverlust. Radiologisch zeigten sich pulmonal einzelne oder multiple Knötchen, Infiltrate/Konsolidationen, aber auch cavitäre Veränderungen. Knapp 1/5 der Fälle wies (mit oder ohne pulmonale Erkrankung)  ZNS-Veränderungen auf im Sinne von Meningitis oder cerebralen Cryptococcomen, symptomatisch durch Kopfschmerzen, Fieber, Nachtschweiss und Meningismus.
Insgesamt wurde aber beobachtet, dass im Vergleich zu C. neoformans weniger disseminierte- oder ZNS-Manifestationen auftraten, aber mehr Tendenz zu lokalisierter Ausprägung mit Cryptokokkomen in Lunge und ZNS. Dies könnte auf die Erkrankung weniger Immunkompromittierter zurückzuführen sein.

 Die Letalität lag in Kanada bei 8,7%, erreicht aber bei der neuesten Variante in den USA fast 25%. Womöglich ursächlich ist, dass der Pilz neue Virulenzfaktoren inklusive Mitochondrienveränderungen exprimiert.

Therapie
Für die Behandlung gibt es bislang noch keine (spezifischen) Richtlinien, aber von Australischen Experten wird bei sehr ausgeprägtem Befall initialer Einsatz von AmphotericinB und 5-Fluorouracil empfohlen (bei grossen pulmonalen Cryptococcomen eventuell plus Resektion), gefolgt von Fluconazolgabe (jeweilige Dauer, je nach Lokalisation: siehe Quelle …), also analog der auch bei C. neoformans-Meningitis geltenden Empfehlungen (s. Sanford 2010).

Quellen:

Flugmedizin, Tropenmedizin, Reisemedizin 2010;17 (3):109-111
Byrnes et al, PLoS Pathogens 2010
Galanis et al, Can J Inf Dis Med Microbiol 2009

Dr. Barbara Bertisch

Über Dr. Barbara Bertisch

Oberärztin und PAD

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