HIV assoziierte Polyneuropathie in der ART Ära

Erkrankungen peripherer Nerven stellen die häufigste neurologische Komplikation der HIV Infektion dar. Verantwortlich hierfür ist einerseits das HI-Virus selbst, andererseits der Gebrauch von neurotoxischen Substanzen (d-drugs)

Das klinische Bild ist geprägt von langsam progredienten sensiblen Reiz- und Ausfallerscheinungen v.a der unteren Extremität. Neben Taubheitsgefühl, Par- und Dysästhesien treten in 30 bis 50% der Fälle Schmerzen auf, die als brennend, stechend oder reissend beschrieben werden. Meist fehlt der ASR und das Vibrationsempfinden ist eingeschränkt. Socken- und strumpfförmige Hypästhesie/Hypalgesie finden sich, wie Atrophie und Paresen der kleinen Fussmuskeln.

Die Nukleoisidanaloga DDI, DDC und D4T verursachen in 10-30% der Fälle eine distal symmetrische, sensible axonale Polyneuropathie, die weder klinisch noch elektroneurographisch von der HIV assoziierten distal symmetrischen sensiblen Polyneuropathie (DSSP) zu unterscheiden ist. Entscheidend hierzu ist alleine die Medikamentenanamnese.

In der prä ART Ära galten eine hohe HIV RNA und eine tiefe CD4 Zellzahl als Risikofaktoren eine DSSP zu entwickeln. Natürlich gilt auch die Exposition gegnüber den d-drugs als Risikofaktor.
Die Prävalenz eine DSSP unter ART zu entwickeln, resp. weiterhin an den Symptomen einer DSSP zu leiden, bleibt trotz Vermeidung von d-drugs, optimaler Suppression der Viruslast und Erhohlung des Immunsuystems hoh.

In diversen Arbeiten wurden verschiedene weitere Risikofaktoren beschrieben, wobei nicht bei allen eine Übereinstimmung herrschte. So wurde in einer Arbeit von C. Cherry et al. aus Australien HCV Koinfektion nicht als RF eine DSSP zu entwickeln beschrieben.
In einer anderen Arbeit aus Boston wurde nebst der HCV Koinfektion weitere Risikofaktoren, wie Alter, d-drug Exposition, PI Behandlung, IV Drogenabusus, ART Therapie Dauer und Baseline HIV RNA bestimmt.

Was übereinstimmend gesagt wurde ist, dass die neuropathischen Symptome, resp. klinischen Befunde, trotz Erholung des Immunsystems und virologischer Kontrolle bestehen bleiben.
Die Behandlung ist weiterhin rein Symptomatisch.

Quelle: CROI 2009, Abstract 462


Dr. med. Christine Gutmann

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