Tuberkulöse oder nichttuberkulöse Mykobakterien, hilft die Serodiagnostik weiter?

Die Diagnostik pulmonaler Infektionen durch Mykobakterien ist ausgesprochen zeitintensiv (mehrere Wochen). Aeusserst wuenschenswert waere die rasche Differenzierung aus Sputum gewonnener saeurefester Staebchen in tuberkuloese oder nichttuberkuloese Mykobakterien. Koennte die Serologie nachhelfen?Eine rasche Diagnostik würde Entscheidungen über notwendige Hygienemassnahmen und die adaequate Therapie beschleunigen und somit Zeit und Geld sparen. Eine Arbeit aus Japan zeigt nun, dass eine sichere Unterscheidung zwischen Tuberkulose und pulmonalem Infekt mit Mycobacterium avium complex (MAC) mittels eines Enzymimmunoassays innerhalb von Stunden moeglich ist.

Mycobacterium avium complex (MAC, bezeichnet M. avium und M intracellulare und M. scrofulaceum) kann wie Mycobacterium tuberculosis zu schweren pulmonalen Infekten führen. Betroffen sind nicht nur immunkompromittierte Patienten (z.B. bei HIV-Infektion). Auch Patienten mit pulmonaler Grunderkrankung (z.B. chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, Zystische Fibrose oder ein pulmonales Malignom) sind betroffen. MAC kommen überall vor, (Staub, Erdboden, Wasser etc.). Ein langersehntes positives Kulturresultat aus Sputum oder bronchoalvelärer Lavage ist daher keineswegs ein Beweis für eine Infektion.

Wegen der unterschiedlichen Hygienemassnahmen (Pat. mit M. tuberculosis müssen streng isoliert werden, mi MAC hingegen nicht) und auch unterschiedlicher therapeutischer Massnahmen ist die rasche Unterscheidung in der Klinik wesentlich.

Japanische Wissenschaftler haben nun in einer Untersuchung an 6 Kliniken untersucht, inwieweit die Bestimmung von Antikörpern im Serum in der Diagnosestellung hilfreich ist. Eingesetzt wurde ein Enzymimmunoassay, der MAC spezifische IgA detektiert. Die Antikörper sind gerichtet gegen einen Bestandteil der Oberfläche der Bakterien, der für alle nichttuberkulöse Mykobakterien gleich ist (sogenanntes glycopeptidolipid core antigen, GPL) und wurden in 3 vorangehenden Studien bzgl. ihrer Spezifität optimiert.

Eingeschlossen wurden Patienten mit pulmonalen MAC-Infektionen (n=70), Patienten mit einer MAC-Kontamination (n=18, nur eine Kultur positiv, geringes Wachstum in der Kultur) und Patienten mit pulmonaler Tuberkulose (n=36). Die Diagnosestellung erfolgte nach den Kriterien der American Thoracic Society (ATS).

Der Assay konnte dabei in 100% zwischen MAC-Infektion und Tuberkulose unterscheiden. Auch war bei MAC-Kontamination immer ein signifikant tieferer IgA-Titer nachweisbar.

Darüberhinaus zeigte sich eine positive Korrelation zwischen der im CT visualisierten Ausbreitung der Infektion un dem IgA Titer.

Bei 64 der 70 Patienten mit pulmonaler MAC-Infektion wurde nach den ATS-Kriterien bis zum Kulturresultat mit einer tuberkulostatischen Therapie begonnen. Die nun verfügbare Antikörperdiagnostik kann dies – so die Autoren – in Zukunft verhindern.

Die Verfügbarkeit einer raschen Diagnostik bei V.a. MAC-Infektionen erscheint wegen der direkten Konsequenzen äusserst sinnvoll. Sollte dieser Assay tatsächlich auch den Weg in andere Spitäler finden, werden wir auf INFEKT.CH berichten.

Quelle: Kitada et al, 2008, AJRCCM


Dr. med. Christian Kahlert

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