HIV in China: die neue Epidemie

Ein kürzlicher Report im JID berichtet über die HIV-Prävalenz in Guanxi, einer autonomen Region im Süden von China.

Sechzehn von 44 Ambulatorien für Geschlechtskrankheiten (STD) beteiligten sich ander Studie und knapp 11’500 Patienten mit STDs wurden eingeschlossen. Eine HIV-Infektion fand sich bei 133 Patienten (1.2%).
Eine HIV-Diagnose wurde signifikant häufiger gestellt bei unverheirateten, jüngeren (<20-j.) Männern, gehäuft bei Analphabeten und Personen mit kürzerer Schulbidldung.
Diese Prävelenz bei Patienten mit STDs ist >24-mal höher als die durchschnittliche Prävalenz ikn der chinesischen Bevölkerung (<0.05%).Unter allen STDs war die Syphilis besonders starkt assoziiert mit einer HIV-Infektion. Dies passt zur Beobachtung, wonach die Syphilis auch bei uns als eine der bedeutensten Wegbereiter für die Übertragung einer HIV-Infektion darstellt.

Im WHO Report 2006 on HIV in China wird noch berichtet, dass bis 2005 ein grosser Teil aller frischen HIV-Infektionen im Süden des Landes bei iv-Drogensüchtigen gefunden wurde. Doch die Daten in dieser neuen Studie zeigen, dass sich die HIV-Infektion nun in dieser Region klar auf die heterosexuelle Bevölkerung übertragt.
Geschlechtskrankheiten sind immer ein Wegbereiter für eine erleichterte sexuelle Übertragung von HIV. Die hohe HIV-Rate in diesen Kliniken zeigt dies deutlich und es ist anzunehmen, dass die HIV-Prävalenz in dieser Gruppe in den nächsten Jahren rasant steigen wird. Immer wieder berichten daher Medien (z.B. Spiegel online) von der sich rasch ausbreitenden HIV-Epidemie in China.

Kürzlich hat auch die Bill and Melinda Gates Foundation die Bewilligung erhalten, mit Präventionsprojekten in China aktiv zu werden. Auch soll sich China nun entschlossen haben, die Einreisesperre für HIV-Positive Menschen aufzuheben (s. queer.de).

Quelle: Chen et al, JID, 1.12.2007; 196:1654-61


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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