Lyme Erkrankung verhindern

Viele Menschen werden bei uns mit dem Lyme-Erreger infiziert, ohne je eine Erkrankung durchzumachen. Dennoch kann es sinnvoll sein, sich vor dem möglichen Komplikationen einer Lyme-Erkrankung zu schützen.

Am 25. Februar 2002 hat die Herstellerfirma den in den USA zugelassenen Lyme-Impfstoff vom Markt zurückgezogen. Die Impfung hatte bei einigen Personen zu Gelenksbeschwerden geführt, wie wir sie als Folge einer Lyme Erkrankung kennen. Damit wurden die Hoffnungen auf einen einfachen Schutz vor Lyme-Erkrankung durch eine Impfung zerstreut.

Doch es gibt einige Möglichkeiten, sich gut vor einer Lyme Erkrankung zu schützen. Ein ausführlicher Review zu diesem Thema ist im NEJM vom 12.6.03 publiziert.

Der Erreger der Lyme Erkrankung, Borrelia burgdorferi, lebt in Zecken und wird über das Blut auf verschiedene wild lebende Tiere, Haustiere und den Menschen übertragen. Zur Prophylaxe bieten sich folgende Methoden an:

  1. Verhinderung von Zeckenstichen

    Man kann sich wirksam gegen Zeckenstiche schützen, doch diese Methoden sind, insbesondere bei Kindern unbeliebt, da sie doch die Freiheit bei Spiel und Freizeitaktivitäten sehr einschränken:

    – Meiden von Aufenhalt in Gebüschen/Unterholz 
    – Verwendung von Insektenschutzmitteln auf Haut
    – Geschlossene Kleidung (?)

    Gerade der letzte Punkt mit der Kleidung ist wohl kaum realistisch. Zecken bevorzugen bedeckte Körperstellen. Sind sie einmal auf der Haut (oder Kleidung), werden sie sich so rasch wie möglich unter der Kleidung verstecken. Je mehr Kleider man trägt, desto grösser die Hautfläche, die den Zecken dient. Eine schützende Kleidung müsste somit einen festen Abschluss bieten, eine Anforderung die kaum zu erfüllen ist.

  2. Infektion nach Zeckenstich verhindern
    Eine Infektion mit B. burgdorferi nach Zeckenstich, erfolgt in der Regel erst 24 bis 36 Stunden nach dem Stich. Die Zecke saugt sich zunächst voll und erst ganz am Schluss ihrer mehrtägigen Blutmahlzeit regurgitiert (erbricht) sie einen Teil des Mageninhaltes und damit die Borrelien in die Blutbahn des „Wirtes“. Daher gilt:

    – Nach jedem Aufenthalt in Wäldern / Gebüschen abends Haut (Haaransatz!) gründlich absuchen
    – Zecken sofort entfernen (mit Pinzette oder Fingernägel ganz Hautnah fassen, gerader Zug)
    – Medikamentöse Prophylaxe (1x 200 mg Doxycyclin, s. NEJM vom 12.6.01)

    Die medikamentlöse Prophylaxe ist äusserst wirksam (Schutzwirkung in der zitierten Arbeit=87%), doch das Risiko einer Borrelien-Infektion in der Schweiz ist allgemein so gering, dass sich diese Massnahme nicht lohnt. Bei Kleinkindern sollte man von einer antibiotischen Prophylaxe mit Doxycycline ohnehin absehen.

  3. Kompliationen verhindern

    Wenn man von einer Zecke gestochen wurde, lohnt es sich die Einstichstelle in den nächsten 2 Wochen zu beobachten. Beim Auftreten einer Rötung von mehr als 1-2 cm Durchmesser sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Eine frühe Behandlung der Lyme Borreliose kann die Spätkomplikationen praktisch immer verhindern.

Abbildung aus dem NEJM vom 12.6.03 mit den Möglichkeiten zur Prävention (rote Balken) [bild]lyme_prev.jpg[/bild]


Prof. Dr. Pietro Vernazza

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