Haben Tumoren wirklich ein eigenes Mikrobiom?

Originalarbeit: Biodiversity and biogeography of the multi-kingdom cancer microbiome

Erstautor: Dohlman et al.
Publiziert: 11. Juni 2026
Quelle: Cell
DOI/Link: 10.1016/j.cell.2026.04.015

Diese grosse Analyse von 16’369 tief sequenzierten Tumor-Genomen aus dem UK 100,000 Genomes Project prüft eine zentrale Frage des Tumormikrobioms: Was ist echtes mikrobielles Signal – und was nur Kontamination oder Fehlklassifikation? Nach strenger Host-Subtraktion und Dekontamination fanden die Autoren in den meisten Tumorarten kein vom Hintergrund unterscheidbares Mikrobiom. Doch überraschenderweise fanden die Autoren klare, vielgestaltige mikrobielle Gemeinschaften in Tumoren des Mund-Rachen- und Verdauungstrakts. In diesen Tumorgeweben fanden sie spezifische Bakterien, Pilze, Viren, Archaeen und teils sogar Trichomonas. Wichtig ist die nüchterne Botschaft, die auch der begleitende Kommentar in The Conversation betont: Das Feld wird enger, aber solider; viele frühere pan-kanzeröse Mikrobiom-Signale könnten technische Artefakte gewesen sein.

Kurzer Einordnungssatz: methodisch starke Sequenzierungs-/Bioinformatikstudie, aber kein Nachweis, dass diese Mikroben Krebs verursachen oder therapeutisch schon nutzbar sind; funktionelle und prospektive Validierung bleibt nötig.

Stichworte: Tumormikrobiom, Krebs, Mikrobiom, Kontamination, Sequenzierung, orodigestive Tumoren

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