28. Oktober 2022

Soll das Gesundheitspersonal sich ein weiteres Mal boostern lassen?

Die Ausgangslage ist klar. Für gesunde Menschen unter 65 gibt es keinen guten Grund, sich boostern zu lassen. Personen mit guter Grundimmunisierung haben nichts zu befüchten. Sie haben eine langlebige zelluläre Immunantwort, welche sie vor einer schweren Erkrankung schützt. Jede Impfung bringt ein minimes Gesundheitsrisiko. Dies nimmt leider mit zunehmenden Impfungen nicht ab. Es gibt kaum einen Grund für einen jungen Menschen, jetzt noch ein zugegenben minimales persönliches Risiko auf sich zu nehmen.

Nationale Impfempfehlung bleibt hartnäckig
Doch die Schweizerische Impfempfehlung (19.10.22) bleibt diesbezüglich unnachgiebig (Abb.).

Gemäss der Empfehlung sollen junge, gesunde Personen, welche in medizinischen Berufen arbeiten, sich unbedingt („++“) ein weiteres Mal gegen Covid boostern lassen. Offenbar sind die noch offenen Fragen bezügich Myokarditis und möglicherweise Fertilitätsstörung und weiteren Nebenwirkungen, die wir erst gerade beginnen zu erfassen, zu wenig relevant, um hier etwas mehr Vorsicht walten zu lassen.
Mehr zu den Pros und Cons der zweiten Booster-Impfung in unserem Beitrag vom 27.9.22.

Weshalb empfehlen wir Gesundheitspersonal eine Impfung
Es gibt Situationen, da möchten wir das Gesundheitspersonal vor einer schweren Infektion während der Arbeit schützen. So zum Beispiel mit der Impfung gegen Hepatitis B, einer durch Blut übertragenen Infektion. Ein anderer Grund kann sein, dass wir durch eine Impfung die Gefahr, dass erkranktes Personal eine Infektion auf gefährdete Patient*innen überträgt, verhindern möchten. Letzteres wurde auch bei Covid argumentiert, in anderen Ländern wurde mit dieser Argumentation sogar eine Impfpflicht formuliert. Dass unsere epidemiologischen Daten und die Erfahrungen mit der Impfung bezüglich Schutz vor sekundären Infektionen gar nicht zeigen konnten, dass ein solcher Schutz existiert, war dabei irrelevant.

In den letzten Tagen wurde nun wiederholt berichtet, dass Behörden, Organisationen und möglicherweise auch Firmen fälschlicherweise behauptet hätten, eine Impfung würde vor Übertragung schützen. Heute berichtet die NZZ über die diesbezügliche Fehlaussage von BR Berset vor einem Jahr. Nun, man kann im Nachhinein schon kritische Aussagen machen. Wir hätten es begrüsst, wenn die Medien vor einem Jahr etwas kritischer hingeschaut hätten. Offenbar haben wir jetzt alle verstanden, dass die Impfung die Krankheitsübertragung kaum verhindern kann. Doch wer es hat wissen wollen, konnte diese Tatsache damals schon recherchieren. Und haben wir nun daraus etwas gelernt?

Booster-Empfehlung wird weiterhin kritiklos verbreitet
Doch offenbar scheinen unsere grossen Medienhäuser aus all diesen früheren Fehlern nichts zu lernen. Weiterhin wird unkritisch einfach alles wiedergebeben, was  verkündet wird. So publizieren sowohl NZZ (19.10.22) als auch 20Minuten (6.10.22) kritiklos in Ihren Mitteilungen, dass das Gesundheitspersonal (gemäss BAG) jetzt eine Auffrischimpfung machen sollte. Fragt denn niemand nach, mit welchen Argumenten das BAG diese „++“ Empfehlungsstärke für Personen in Gesundheitsberufen untermauert?

 

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Prof. em. Dr. med. Pietro Vernazza

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