28. September 2022

Covid Impfung in Stillphase – doch nicht harmlos?

Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC ist gemäss ihrer Homepage weiterhin der Ansicht, dass Kinder ab 6 Monaten gegen Covid-19 geimpft werden sollten, eine Empfehlung, die allerdings die wenigsten Mütter befolgen. Vielleicht wissen sie selbst auch gut genug, dass kleine Kinder wirklich kein relevantes Erkrankungsrisiko aufweisen.

Doch das CDC empfiehlt auch klar, dass sich stillende Frauen unbedingt noch impfen lassen sollten (rote Markierung). In dieser Phase sei das Risiko, sehr schwer zu erkranken, erhöht («more likely to get very sick). Zur letzten Aussage findet sich allerdings keine medizinische Begründung. Wir wissen grundsätzlich, dass das Immunsystem während der Schwangerschaft sich verändert. Dies hat mit dem Umstand zu tun, dass das Immunsystem den Föten, ein immunologisch «fremder» Organismus, nicht abwehren soll. Doch dieser komplexe Mechanismus (s. dazu Mor 2010) darf nicht als «Immunschwäche» der schwangeren Frau interpretiert werden. Und noch wichtiger, diese Veränderung bildet sich mit der Geburt sofort zurück. Ich kann weder mit früherer Literatur zur Veränderung des Immunsystems während der Stillphase, noch durch neuere epidemiologische Daten zu Covid-19 nachvollziehen, worauf sich die Behauptung stützt, dass eine stillende Frau ein höheres Erkankungsrisiko haben sollte.

Im kürzlich publizierten Beitrag hatte ich jedoch argumentiert, dass das Erkrankungsrisiko bei jungen Menschen sich durch die fast vollständige Verbreitung von Covid-19 in der Bevölkerung deutlich verändert hat.

Nun ist vorgestern ein wichtiger Letter publiziert worden – fast zwei Jahre nach den ersten Studien zur Covid-Impfung mit mRNA-Impfstoffen – wonach der mRNA-Impfstoff in die Muttermilch gelangt (Hanna et al, JAMA Pediatrics). Es ist befremdlich, dass diese Frage nicht schon durch die Impfstoff-Firmen geklärt wurde und auch die Zulassungsbehörden das nicht verlangt haben, wenn man eine Impfempfehlung für stillende Frauen formuliert.

Die zitierte Stude von Hanna et al. konnte lediglich Spuren von mRNA in der Muttermilch bei 5 von 11 Frauen nachweisen. Und dies nur in den ersten 48 Stunden nach der Impfung. Auch hat die Studie nicht untersucht, ob die mRNA Partikel genetisch aktiv waren, also ob sie tatsächlich noch Spike-Protein bilden könnten.

Ehrlich gesagt, ich kann mir nicht vorstellen, dass ein mRNA-Partikel, welches durch die Muttermilch in den Verdauungstrakt des Säuglings gerät, auch tatsächlich in den Organismus des Säuglings übertreten würde. Aber grundsätzlich sollte man bei solchen unklaren Fragen vorsichtig sein, insbesondere wenn kein dringlicher Grund besteht ein potentielles Risiko einzugehen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der durch die Muttermilch aufgenommene Impfstoff die Entwicklung des Immunsystems des Kindes verändern kann. Diese Fragen müssen sicher untersucht werden.

Ich denke, es ist Zeit, dass wir mit dem Erreichen der endemischen Phase der Covid-19 Erkrankung (s. Beitrag vom 27.9.22) auch wieder dazu übergehen, dass wir Medikamente und Impfstoffe wieder nach den alten Prinzipien gründlich prüfen, bevor wir Menschen einem unbekannten Risiko aussetzen. Heute sehe ich kaum einen zwingenden Grund, eine junge stillende Frau gegen Covid-19 zu impfen. Sollte es in Einzelfällen jedoch einen Grund dazu geben, würde ich der Frau aufgrund der neuen Studie mindestens raten, während 48 Stunden die Stillphase zu unterbrechen und die Milch abzupumpen.

NACHTRAG 29. September 22
Heute macht mich ein Leser auf eine Arbeit aufmerksam (Golan et al, Juli 2021), welche vor einem guten Jahr dargelegt hatte, dass man in der Muttermilch keine mRNA der Covid-Impfung nachweisen kann. In dieser Studie wurde die RNA mittels RNA-PCR in der Milch gesucht. Bei den Kontrolluntersuchungen (Muttermilch versetzt mit Impfstoff) war der Nachweis Positiv. Insgesamt wurden 13 Proben von 7 stillenden Frauen 4-48 Stunden nach Impfung analysiert. Von allen Frauen gab es eine Probe nach ca. 24 Stunden. Ich kann nicht erklären, weshalb die Resultate damals so anders ausfielen. Auch wenn die Zahlen klein sind, scheint mir ein zufälliger, nicht statistisch signifikanter Unterschied unwahrscheinlich. Die Methode des RNA Nachweises war in der Studie von Hanna et al. allerdings anders. Die Forscher hatten die Muttermilch zuerst zentrifugiert und extrazelluläre Fettpartikel untersucht, in denen die mRNA angereichert wurde. Möglich, dass dieser Unterschied die Differenz der beiden Studien erklärt. Den Verdacht meines Lesers eines Interessenskonfliktes (Goland et al wurde zum Teil durch Bill and Melinda Gates Foundation finanziert) kann ich nicht entkräften. Denke aber nicht, dass diese Autoren bewusst eine schlechteren Methode gewählt hätten. Aber einmal mehr zeigt es sich, dass es sich immer lohnt, Studien unabhängig zu wiederholen.

Titelbild: Alexander by SvenSoda


Prof. em. Dr. med. Pietro Vernazza

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