24. Dezember 2021

Weihnachtsgeschenk eines Lesers

Heute schreibt mir ein Leser von infekt.ch eine Antwort auf meinen letzten Beitrag mit einer Zusammenfassung seiner Beobachtungen, illustriert mit eindrücklichen Grafiken. Ein Weihnachtsgeschenk, das ich unseren Lesern – mit seinem Einverständnis – nicht vorenthalten möchte.

Lesen Sie den Text von Herrn Hausen mit den Grafiken von Herrn Raven hier.

Kommentar
Herr Hausen setzt hinter seinen Titel „Schnell – aber milde“ wohl bewusst ein Fragezeichen. Er beschreibt in der Arbeit die unterdessen auch in den Medien breit diskutierten Beobachtungen aus Südafrika zu Omicron: Die Fallzahlen steigen rapide an, doch die Anzahl der schweren Fälle liegt deutlich hinter den Erwartungen aus früheren Krankheitswellen. Der Autor bleibt aber sorgfältig in seinen Interpretationen. Er betont die unterschiedlichen Alterspyramiden in Südafrika und Europa. Denn die deutlich jüngeren Menschen in Südafrika werden erwartungsgemäss einen deutlich milderen Verlauf durchmachen. Dies ist bestimmt ein wichtiges Argument. Doch der relative Rückgang der schweren Veräufe – gemessen an der Fallzahlen – ist eine Beobachtung, die wir in anderen Ländern auch sehen und die unabhängig vom Alter der Population zu sehen ist.

Ich denke ich würde daher noch einen weiteren Punkt hinzufügen, mit dem ich vor einer zu frühen Interpretation der Erfahrungen in Südafrika warnen möchte. Tatsächlich ist der Anteil der Geimpften und Genesenen in Südafrika und Europa vergleichbar. Doch in Südafrika sind sehr viel mehr Personen genesen als geimpft. Aufgrund der bekannt besseren, weil breiteren zellulären Immunantwort nach einer Genesung könnte es durchaus auch sein, dass die deutlich geringeren schweren Verlaufszahlen in Südafrika nicht nur auf ein „milderes“ Virus zurückzuführen sind. Es könnte auch sein, dass der mildere Verlauf in Südafrika auch Folge der besseren Immunantwort nach einer natürlichen Erkrankung ist. Daher wäre ich ebenfalls im Moment noch sehr zurückhaltend, die Daten aus Südafrika einfach 1:1 auf die Schweiz zu übertragen. Wir werden den Verlauf der Dinge sehr sorgfältig beobachten müssen. Und überstürzte Entwarnungen wollen wir vermeiden, genauso wie inadäquates Schüren von Ängsten.

Doch das Problem der unter „Omicron-Bedingungen“ inadäquat langen Isolationszeiten hat auch Herr Hausen als relevant beurteilt. Auch das Gesundheitsdepartement in Südafrika selbst musste heute augrund der veränderten Epidemiologie das unter diesen Umständen ineffiziente, ja sinnlose Contact-tracing aufheben.

 

Einpackpapier und Schleife für Weihnachtsgeschenke by marcoverch

 


Prof. em. Dr. med. Pietro Vernazza

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