Antibiotika helfen nicht bei Virusinfekten der oberen Luftwege: vielleicht schaden sie sogar!

Forscher aus London (GB) und Freiburg(D) haben einen sehr interessanten Artikel in Cell Reports publiziert.

Immer wieder werden ja Studien publiziert, die zeigen, dass bei viralen Infekten der oberen Luftwege Antibiotika nicht helfen. Dennoch ist die Verschreibungspraxis in der westlichen Welt immer noch so, dass Infekte der oberen Luftwege zu einem enormen Antibiotika-Konsum führen!

Die Forscher hier haben nun in ihrem Tierexperiment zeigen können, dass Mäuse, wenn sie vorgängig antibiotisch behandelt wurden, eine schwerere Influenza-Infektion durchmachen, als wenn sie kein Antibiotikum erhalten haben. Durch das veränderte Mikrobiom im Darm, verursacht durch die antibiotische Therapie, werden die Interferon-stimulierenden Gene (ISG), die vom DArm wohl normalerweise gesendet werden, deutlich weniger produziert. Dies führt dazu, dass die Lungenepithelzellen empfänglicher sind für die Influenza Viren, denn die ISG aus dem Darmmicrobiom hemmen wohl die Replikation der Influenzaviren in den Lungenepithelien! (Es gibt also auch eine Darm-Lungen-Achse und nicht nur eine Darm-Hirn-Achse)

Spannend ist auch das Abstract der Autoren, das ganz einfach als Bild-Abstract die ganzen Resultate zusammenfasst! Schauen Sie selbst, das Bild ist praktisch selbst erklärend.

Ich habe hier nur einen kleinen Teil der Arbeit sehr stark zusammengefasst, und wer genaueres darüber wissen will, kann die ganze Arbeit hier runterladen.

Nun werden viele sagen, ja aber es ist ja eine tierexperimentelle Arbeit und lässt sich vermutlich nicht 1:1 auf den Menschen übertragen. Daraufhin kann man erwidern, dass wir ja immer noch tendenziell erst am Anfang der Microbiom Forschung sind, und dass uns genau diese Mausmodelle helfen, viele Mechanismen und Beeinflussungswege erst zu verstehen. Es sind erste Schritte, und wichtige Schritte.

Das Microbiom beeinflusst uns sehr stark, in vielerlei Hinsicht, und deshalb müssen wir unserem Microbiom Sorge tragen und es so wenig wie möglich durch unnötige antibiotische Therapien verändern! Und auch diese Arbeit zeigt dies sehr schön!

 

Viel Spass beim Lesen:  Bradley et al; Cell Reports 2019

 

 

 


Dr. med. Katia Boggian

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