PrEP: HIV-Resistenzen selten

Es wurde immer wieder vermutet, dass der Einsatz der sogenannten PrEP eine HIV-Resistenzbildung fördern würden. Bisher scheint die Befürchtung unbegründet.Resistenzprobleme von Zweiertherapie bekannt
Die PrEP, die sog. Pre-Exposure Prophylaxis wird heute von einigen Experten als Präventionsmassnahme empfohlen. Untersucht wurde die präventive Wirkung einer Einnahme einer HIV-Zweierkombination (TDF+FTC, Truvada®). HIV-negative Probanden, welche das medikament täglich und zuverlässig eingenommen hatten, waren trotz Risikoverhalten weitgehend vor einer HIV-Infektion geschützt. Doch was passiert, wenn es doch mal zur Infektion kommt. Wir wissen aus der Zeit der Zweierkombination anfangs der 90-er Jahre, dass mit einer Mono- oder Zweierkombination unweigerlich eine Resistenzbildung gefördert wird. Daher ist es nachvollziehbar, dass bei ungenügender PrEP-Wirkung auch eine Resistenzbildung befürchtet werden muss.

Analyse aus PrEP Studie zeigt kein relevantes Resistenzproblem
Auch in der o.g. Studie (Grant et al) kam es in der Gruppe, die PrEP machte zu einzelnen Infektionen. Nun haben Chirwa et al. untersucht, ob bei diesen Probanden, die dann zu Beginn ihrer Infektion  noch eine Zweiertherapie (PrEP) hatten, als Folge davon das HIV Virus auf die beiden Medikamente (TDF / FTC) resistent wurde.
Tatsächlich fand sich unter den so infizierten kein resistentes Virus. Allerdings, die Zahlen waren sehr klein. Insgesamt waren es nur 9 Personen, die unter PrEP angesteckt wurden. Die Studie zeigte auch, dass die 9 infizierten Patienten unter TDF/FTC keine wesentlich tiefere Viruslastwerte aufwiesen als die infizierten unter Placebo.

Kommentar
Es ist gut zu wissen, dass mindestens bei diesen 9 Probanden keiner eine HIV-Resistenz aufwies. Doch damit schon behaupten zu können, dass nun PrEP bezüglich HIV-Resistenzbildung problemlos sei, ist etwas überstürzt. Denn: Diese 9 Probanden zeichneten sich durch eine wichtige Gemeinsamkeit auf: Sie nahmen die Medikamente nicht oder nur sehr selten. Dies wird auch dadurch verdeutlicht, dass die Viruslast nicht signifikant tiefer war als unter Placebo. Und dies wurde ja auch in der ursprünglichen Studie als wichtigster Grund für das PrEP-Versagen identifiziert.

Sollte PrEP aber tatsächlich  – wie vom CDC empfohlen – breit eingesetzt werden, dürften hin und wieder Probanden das Medikament einnehmen, deren Adherence über die Zeit noch ändern könnte. Auch die regelmässigen HIV-Kontrollen wie in der Studie dürften dann wegfallen, womit die Chance zunimmt, dass plötzlich infizierte Personen wieder mit der PrEP (Zweierkombination) beginnen und somit die Resistenzbildung fördern.

PrEP in der Schweiz nicht empfohlen
Die EKSG; die Eidg. Kommission für Sexuelle Gesundheit (vormals AIDS-Fragen, EKAF) sieht keinen Grund, die PrEP für die Schweiz zu empfehlen. Die Kosten für eine PrEP (ca. CHF 30.- pro Tag) stehen in keinem Verhältnis zum erkauften Nutzen, und die Wirksamkeit der Methode (ca. 45%) ist der Schutzwirkung von Kondomen nicht überlegen. Sowohl für Kondome wie für die PrEP gilt gleichermassen: Wer sie konsequent anwendet, ist vor einer Infektion geschützt.


Prof. em. Dr. med. Pietro Vernazza

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