Antibiotika Allergie oder im Detail liegt der Hund begraben…

Vor dem Beginn einer antibiotischen Therapie wird entweder in der Krankengeschichte geschaut, und/oder der Patient gefragt, ob Allergien vorliegen. Die Crux dabei ist, dass die Angaben nicht immer so sind, wie wir uns das denken….

Einleitung:
Die Frage nach den Allergien in der Anamnese gehört wie das Amen in die Kirche. Schnell wird hier notiert, meist mit roter Farbe, dass eine Allergie vorliegt. Nur verstehen nicht alle Patienten das Richtige unter einer Allergie auf Antibiotika und zusätzlich wird zuwenig genau nachgefragt, nach genauen Symptome etc. Die Allergiefrage muss schnell gehen und beschränkt sich meist auf eine ja/nein Antwort.
Vielfach wird die Allergiesymptomatik mit den Nebenwirkungen, die auftreten können vermischt, wie Übelkeit, oder ganz generell gastrointestinale Beschwerden, oder dann mit den Symptomen der damaligen zu behandelnden Krankheit.

Das Problem ist, dass dadurch im Alltag teilweise die besseren, da bakterizid wirkenden, Antibiotika (v.a Betalactame) verwehrt und statt dessen, alternative Antibiotika appliziert werden, die nur teilweise nur bakteriostatisch wirken.

Studie:
Rimawi et al. aus North Carolina untersuchte in einer retrospektiven Beobachtungsstudie im Zeitraum August 2012 bis Juli 2013, ob eine mittels einer allergologischen Hauttestung bestätigte, nicht vorhande Penicillinallergie, dann korrekterweise nicht mehr als solche (Penicillinallergie) dokumentiert wurde.
Von 150 Patienten mit einem negativen Allergietest auf Penicillin wurden 55 Patienten innerhalb eines Jahres wieder hospitalisiert. Bei 20 Patienten wurde die vermeintliche Penicillianllergie wieder notiert. Davon mussten 12 Patienten antibiotisch behandelt werden, niemandem wurde ein Betalactam verabreicht.

Fazit:
Die Arbeit ist insofern wertvoll, dass sie uns wieder daran erinnert genau nachzufragen, wie sich die mögliche Allergie denn klinisch äussert. Nicht alle verstehen unter einer gestellten Frage das Gleiche. Eine möglichst präzise Beschreibung hilft, die optimale Behandlung zu finden.
Wichtig ist auch zu bedenken, dass die Antibiotika im Vergleich zu früher viel reiner geworden sind, so ist eine Penicillinallergie, die sich mit einer Hautrötung äusserte, von vor 40 Jahren, eventuell auf die damalig verwendeten Zusatzstoffe zurückzuführen und nicht auf das Penicillin selbst.
So gilt wie so oft: „Im Detail liegt der Hund begraben“

Quelle: Rimawi et al., Journal of Hospital Medicine, Vol. 8, No 11


Dr. med. Christine Gutmann

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