Hartnäckige Gonokokken aus dem wilden Westen

In einem NEJM-Artikel vom Februar 2012 wird Alarm geschlagen: immer mehr Gonokokken sind gegenüber Ceftriaxon, dem Medikament der Wahl, resistent. Noch sind vor allem homosexuelle Männer im Westen der USA betroffen.

Gonorrhoe (Tripper) ist eine der häufigsten, sexuell übertragbaren Krankheiten und wird durch eine Infektion mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken) verursacht . Sowohl in den USA als auch in der Schweiz zeigten sich in den letzten Jahren stetig steigende Infektraten, vor allem unter homo- und bisexuellen Männern. Penicillin- und Chinolon-resistente Gonokokken sind schon länger bekannt, weshalb die CDC (Center for Disease Control and Prevention) Dritt-Generations-Cephalosporine (z.B. Ceftriaxon) zur Therapie empfiehlt. In einer aktuellen Übersichtsarbeit im NEJM wird jetzt über zunehmende Ceftriaxon-Resistenzen von Gonokokken-Isolaten aus dem Westen der USA berichtet. Dabei sind vor allem 2 Aspekte beunruhigend: die schnelle Entwicklung (siehe Graphik) sowie die Ähnlichkeit der demographisch und geographisch betroffenen Patienten mit den ersten Fällen von Chinolon-resistenten Gonokokken, welche sich inzwischen weltweit ausgebreitet haben.

Mehrere Resistenzmechanismen, allesamt chromosomal kodiert, scheinen dabei eine Rolle zu spielen: neben einem veränderten Penicillin-binding protein (PBP) scheinen in diesen Stämmen auch Transportkanäle und -pumpen für die Ceftriaxon-Resistenz verantwortlich zu sein.

Was soll gegen diese Bedrohung unternommen werden? In erster Linie wird von den Autoren empfohlen, alle Gonokokken-Infekte möglichst korrekt zu behandeln. Dies beinhaltet eine einmalige intramuskuläre Gabe von Ceftriaxon in Kombination mit peroralem Azithromycin. Das Makrolid Azithromycin eliminiert nicht nur andere, oft gleichzeitig vorkommende sexuell übertragbare Pathogene, sondern wirkt gleichzeitig über ein anderes molekulares Ziel gegen Gonokokken. Mögliche Therapieversager sollen rasch identifiziert und den Gesundheitsbehörden gemeldet werden. Zudem müssten auf lokaler Ebene mehr Surveillance-Projekte implementiert werden, um allfällige Resistenz-Häufungen prompt zu erkennen. Verteilen von Kondomen an Patienten sowie Unterstützung zur Verminderung des sexuellen Risikoverhaltens sind weitere wichtige Ansatzpunkte.

Höchste Priorität hat laut den Autoren zur Zeit die Evaluation neuer Medikamente im Kampf gegen resistente Gonokokken. Für die Zukunft würde man sich eine Gonokokken-Impfung wünschen, welche aktuell jedoch noch in weiter Ferne liegt.

Quelle: Bolan et al.: The emerging threat of untreatable gonococcal infection, NEJM, February 2012


PD Dr. med. Philipp Kohler

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