Herpes labialis: Gene entscheidend!

Fieberbläschen sind ein häufiges Problem und Folge einer Infektion mit Herpes simplex. Doch obwohl ein Grossteil der Menschen mit HSV infiziert ist, leiden nur ganz wenige an wiederkehrenden Fieberbläschen. Ein Gen entscheidet darüber, sagt eine neue Studie!

Herpesviren gehören zu unseren längsten Partnern. Entwicklungsgeschichtlich müssen Herpesviren schon bei Weichtieren und Fischen zu regelmässigen Infektionen geführt haben, denn Herpesviren finden sich praktisch bei allen grösseren Lebewesen, nicht nur bei Wirbeltieren. Das erklärt auch, dass unser in den Jahrmillionen gelernt hat, mit den Viren umzugehen. So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass Herpesviren bei Immungesunden kaum zu schweren Problemen führen.

In der Entwicklungsgeschichte der Lebenwesen muss es somit auch immer Veränderungen unserer Erbsubstanz (Genmutationen) gegenben haben, die den betroffenen Menschen einen Vorteil gegenüber Herpes gibt und das Zusammenleben mit dem kleinen Gast problemlos gestaltet. Nun ist ein solches Gen entdeckt worden, welches erklärt, weshalb einige Menschen, nachdem sie mal mit Herpes infiziert sind, immer wieder (in unterschiedlicher Regelmässigkeit) Fieberbläschen haben, während andere (eigentlich die meisten einmal Infizierten) lebenslang nie Probleme haben.

Gen schützt uns vor Herpesausbrüchen
US-Autoren haben ein Gen auf dem Chromosom 21 entdeckt (orf91) welches dafür verantwortlich ist, dass Herpes Rezidive auftreten. Die Autoren haben vorgeschlagen, das Gen  "Cold Sore Susceptibility Gene-1, CSSG-1, zu nennen (cold sore= Fieberbläschen). Wer weiss, vielleicht lässt sich mal mit dem Verständnis der Funktion dieses Genes eine Therapie entwickeln, mit der man Herpes Rezidive ganz verhindern könnte. Viele von Herpes genitalis betroffene Menschen würden sich glücklich schätzen. Das Resultat erklärt aber auch, weshalb viele Partner von Personen mit Herpes nie Probleme haben. Vielleicht würde es uns nützen zu wissen, dass wir die CSSG-1 Variant haben die uns vor Herpes schützt.

Quelle Kriesel et al, JID Dezember 2011


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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