C. difficile: Diagnostik im Umbruch

Wie bereits im ICAAC-Bericht erwähnt (Clostridien: Welche ist die beste Nachweismethode?, ChICAACgo 2011) ist die Diagnostik von C. difficile aktuell im Umbruch. So wird dieses Thema auch in der aktuellen Ausgabe des Journal of Hospital Infection besprochen, wo sich neben mehreren Zusatzbeiträgen gleich drei Originalartikel damit beschäftigen.

Chand et al. sowie Alcalà et al. zeigen auf, dass sowohl in England als auch in Spanien keine einheitlichen diagnostischen Massnahmen angewendet werden. Am häufigsten wird in beiden Ländern ein alleiniger Toxinnachweis mittels Enzymimmunoassay (EIA) durchgeführt, nationale Richtlinien fehlen.

Günstig nicht unbedingt gut
Im Vordergrund der Arbeit von Goldenberg et al. steht die Diskussion über die diagnostische Wertigkeit der EIA-Methode. Laut Goldenberg zeigt dieses günstige und schnelle Verfahren eine schlechte Sensitivität bei einem äusserst schlechten positiven Vorhersagewert (PPV) zwischen 35 und 80%. Bei aktuell eher abnehmender Inzidenz der Erkrankung in England wird sich der PPV noch weiter verschlechtern, was mit einer inakzeptabel hohen Rate an falsch positiven Resultaten einhergeht.

Zweistufenkonzept sinnvoll
Vorgeschlagen wird wie im Beitrag von Ph. Rafeiner eine Zwei-Stufen-Diagnostik (z.B. Glutamat-Dehydrogenase-Nachweis als Suchtest, PCR für Toxin-Gen als Bestätigung). Im KSSG wird aktuell neben der Clostridien-Kultur (schlechte Spezifität, da auch nicht toxinogene Stämme erfasst werden) der Goldstandard in der Clostridien-Diagnostik, der Zytotoxin-Neutralisationstest durchgeführt. Es stellt sich hier die Frage, wie lange sich das KSSG bei in den letzten Jahren zunehmender C. difficile-Inzidenz diese zeitaufwändige und teure Methode noch leisten kann. Solange jedoch in der Fachwelt kein klarer Konsens bezüglich einer Alternative besteht, sollte der hiesige Status quo der Clostridien-Diagnostik wahrscheinlich beibehalten werden.

Quellen:

Chand et al, J Hosp Infect, Sept 2011

Alcalà et al, J Hosp Infect, Sept 2011.

Goldenberg et al, J Hosp Infect, Sept 2011

Bild: CDC 


PD Dr. med. Philipp Kohler

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