HPV: Auch Männer impfen?

Vor einigen Jahren wurde bei jungen Frauen die "Impfung gegen Krebs" eingeführt. Verhindert wird eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV), die Ursache für Gebärmutterhalskrebs. Doch weshalb werden nur Frauen geimpft?

Tatsächlich ist dies eine offene Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist. Das HPV verursacht eindeutig die Veränderungen in den Zellen der Schleimhaut, welche zum Gebärmutterhalskrebs (Zervix-Karzinom) führen. Doch auch bei Männern kann das Virus – allerdings deutlich seltener – zum Peniskarzinom führen. Kürzlich hat eine epidemiologische Studie auch berichtet, dass auch Pharynx-Karzinome (Krebs im Rachenraum) vermehrt auftrete, welche ebenfalls auf das HPV zurückzuführen sind.

Maximal die Hälfte der Bevölkerung geimpft?
Die Impfung von jungen Frauen mit einem Impfstoff gegen die onkogenen HPV-Typen 16 und 18 kann eine Infektion und auch eine Krebsentwicklung wirksam verhindern. Doch die Strategie, alle jungen Frauen zu impfen, widerspricht jeder (Impf-)Logik. Denn eine gute Impfstrategie zielt in der Regel auf die Elimination eines Erregers in einer Population oder sogar global. Um zu diesem Ziel zu gelangen, müssen wir eine genügende Herdimmunität erreichen. Genau dieser Punkt ist jedoch ein Problem in der Impfstrategie mit den neuen Impfstoffen gegen HPV: Die Beschränkung der Impfung auf das weibliche Geschlecht ist ein Sonderfall, der längerfristig nicht glaubhaft wird. Erst wenn kein Virus mehr übertragen wird, profitieren auch diejenigen Individuen, die keine optimale Immunität erzielen.

Fokus auf HPV bei Männern
Zwei kürzlich erschienene Studien – beide vom gleichen Erstautor – untermauern die Bedeutung der Impfung bei jungen Männern. In der ersten, im Lancet publizierten Arbeit wurde in einem Kohorten-Setting der Verlauf von HPV-Infektionen über die Zeit studiert (Giuliano Landet, 2011). In der zweiten Studie (Giuliano, NEJM 2011) wurde die Wirksamkeit der Impfung gegen HPV auf die Entstehung von Krebs bei Männern untersucht.

HPV-Infektionen vor allem bei jungen Männern wesentlich
In der ersten Kohortenstudie wurden über 1’150 HIV-negative, 18 – 70-jährige Männer über fast 2.5 Jahre beobachtet und regelmässig auf HPV untersucht (Penis, Skrotum). Dabei fand sich eine relativ hohe Inzidenz von neuen HPV-Infektionen, auch mit den onkogenen Typen 16 und 18. Auf 1’000 Beobachtungsmonate wurden knapp 40 neue HPV-Infektionen beobachtet. Viele dieser Infektionen bildeten sich spontan innert durchschnittlich 8 Monaten zurück. Bei den onkogenen HPV-Typen dauerte die Spontan-Remissionsrate mit 12 Monaten deutlich länger, ebenso bei jüngeren Männern. Wie zu erwarten war, hatten Männer mit vielen weiblichen Sexualpartnerinnen (>50) ein deutlich höheres Risiko (RR 2.6) als Männer mit nur einer Sexualpartnerin.

Impfung wirkt auch bei Männern
In der randomisierten, placebo-kontrollierten Interventinsstudie mit einem quadrivalenten Impfstoff (gegen HPV-Typen 6, 11, 16 und 18) wurde das Auftreten von sog. extragenitalen Läsionen bei geimpften und ungeimpften Probanden verglichen. Männer, die vollständig geimpft wurden, hatten eine fast 100% Wirksamkeit der Impfung, das heisst die Läsionen, auch intraepiteliale Neoplasien am Penis, ein Krebs-Frühstadium, wurden praktisch zu 100% vollständig verhindert. 

Die beiden Studien zeigen, dass Männer für die sexuelle Übertragung von HPV eine wesentliche Rolle spielen. Sicher wäre es an der Zeit, dass wir uns überlegen, ob wir nicht mehr erreichen würden, wenn wir auch junge Männer systematisch gegen HPV impfen lassen. Der Preis sollte dabei eine untergeordnete Rolle spielen, denn wenn die doppelte Menge an Impfstoff verkauft wird, sollte auch der Preis pro Impfdosis entsprechend gesenkt werden können.

Quellen:


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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