29. September 2010

Langes Überleben von Hepatitis C in Spritzen

Wie lange überlebt Hepatitis C ausserhalb vom Körper?

In den der Regel wird das Hepatitis C-Virus via Blut-Blut-Kontakt übertragen. Früher auch im medizinischen Bereich, heute fast ausschliesslich im Rahmen von i.v.-Drogenkonsum. Die Präventionsmassnahmen bezüglich Hepatitis C-Transmission haben bei den i.v.-Drogenkonumenten (IDU) zu Beginn der HIV-Epidemie nur einen ungenügenden Effekt gezeigt. In allen Prävalenzstudien bei IDUs ist die Prävalenz von HCV um vieles höher als die von HIV. Ist das Virus einfach infektiöser? Oder gibt es noch andere Gründe? Es wurde schon vor langem postuliert, dass HCV ausserhalb des Körpers länger überleben kann.

Wie lange HCV in Fixerspritzen replikationsfähig bleibt, war bisher unbekannt. Dass Viruserbgut (HCV-RNA) mittels PCR noch lange in Spritzen nachgewiesen werden kann, wurde zwar schon vor längerer Zeit gezeigt. Aber wie lange bleiben die Blutreste in den Spritzen auch tatsächlich infektiös?

Paintsil et al. haben ein Mikrozellkultursystem entwickelt, mit dem sich infektiöse HC-Viren anhand der Luciferaseaktivität nachweisen lassen. 2 verschiedene Spritzentypen mit unterschiedlichem Restvolumen

  1. 1-ml Insulinspritze (Nadel fix, geringes Restvolumen von 2ul) 
  2. 1-ml Tuberkulinspritze (Nadel abnehmbar, Restvolumen 32 ul)

wurden mit Blut und einem standartisierten, Luciferase-produzierenden HC-Virus (HCV-Reportervirus: Jc1/GLuc2a)bestückt. Die Spritzen wurde dann bei bei verschiedenen Temperaturen (4°C, 22°C und 37°C) bis zu 63 Tage gelagert und die HCV-Infektiosität zu verschiedenen Zeitpunkten gemessen.

Es hat sich ein biphasischer Abfall von infektiösen Viren gezeigt. Bei allen Temperaturen kam es zu einem Abfall der Infektiosität von mindestens 90% nach dem ersten Tag. Bei Raumtemperatur kam es zu einem raschen Abfall der Infektiosität in den ersten 6 Stunden (T1/2: 0.4h), gefolgt von einer 2. Phase mit viel langsamerem Abfall (t1/2 28h).

Der Spritzentyp und damit das Restvolumen ist für die Überlebenszeit von grosser Bedeutung: bei den Insulinspritzen konnte bei den höheren Temperaturen nur am 1. Tag viables Virus nachgewiesen werden. Bei Lagerung bei 4°C war dies zwar länger der Fall, aber auch hier enthielten nur noch 5% der Spritzen am Tag 7 infektiöses Virus.

Bei den Tuberkulinspritzen sah die Sache deutlich schlechter aus: am 7. Tag konnte bei 4°C in 96%, bei 22°C in 71% und bei 37°C in 52% der Spritzen infektöses HC-Virus nachgewiesen werden. Infektiöses Virus war bis zu 63 Tagen nachweisbar.

Konklusion: Bei genügendem Volumen und günstigen Umweltbedingen (kühle Temperatur) kann HCV sehr lange, nämlich bis zu 63 Tage ausserhalb des Körpers infektionsfähig bleiben. Die hohe Prävalenz von Hepatitis C bei i.v.-Drogenkonsumenten kann wahrscheinlich teilweise dadurch erklärt werden. Die Wahl des verwendeten Spritzentyps sollte bei Spritzenabgabe/-austauschprogrammen berücksichtigt werden. Spritzen mit fixierter Nadel sind besser als solche mit abnehmbarer Nadel.

Quelle:  Paintsil et al., JID 2010: 202 (1 October)


Dr. med. Patrick Schmid

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