1-Tages-Therapie bei rezidivierendem Herpes genitalis erfolgreich!

Eine eintaegige Therapie mit hochdosiert Famciclovir ist der 3-taegigen Therapie mit Valacyclovir nicht unterlegen.

Herpes genitalis wird meist durch Herpes simplex Typ 2 (HSV-2) verursacht. Die weltweite Prävalenz von latenten HSV-2-Infektionen wird auf 30% geschätzt. Die meisten manifesten Erstmanifestationen ziehen in der Folge mindestens 1 Rezidiv mit sich, wobei etwa 1/3 dieser Patienten mindestens 6 Episoden pro Jahr erfahren. Die Therapiedauer von Rezidiven verkürzt sich zusehends: Während die meisten Hersteller entsprechender Virostatika beim Immunkompetenten eine 5-tägige systemische Therapiedauer empfehlen, gibt es auch Untersuchungen mit erfolgreicher kürzer dauernder Applikation.

Die vorliegende Studie verglich in einem doppelblind, randomisiertem, multizentrischen und -nationalen Design den Erfolg einer selbsstätigen Einnahme (innert 6h nach prodromalem [Jucken, Brennen] oder manifestem [Effloreszenzen] Beschwerdebeginn) von entweder Famciclovir während 1 Tag (2x1000mg/d) vs. Valacyclovir während 3 Tagen (2x500mg/d). Die Analyse erfolgte anhand von 751 Patienten in einem Intention-to-treat-Setting. Voraussetzung zur Beurteilung des outcomes galten (bei Beginn oder im Verlauf auftretende) manifeste Papeln oder Bläschen, wobei daneben auch subklinische Formen weiterverfolgt wurden. Primärer Endpunkt war die Dauer bis zur Ausheilung (Zeit bis zur Re-Epithelialisierung des Papel- / Bläschen-Grundes) gemäss Tagebucheinträgen und klinischen Kontrollen.

Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied betreffend Zeit bis zur Ausheilung manifester Effloreszenzen (4.25d unter Famciclovir und 4.08d unter Valacyclovir). Unspezifische Symptome verschwanden in beiden Behandlungsgruppen innert rund 3d. Die Adhearance betrug mit Famciclovir 97.6%,  mit Valacyclovir 92.2%. Nebenwirkungen (am häufigsten: Kopfschmerzen, Nausea, Diarrhö) traten in der Famciclovir-Gruppe zu 23.2% und der Valacyclovir-Gruppe zu 22.3%  auf. Die Tatsache, dass bei einem Drittel der Patienten in beiden Behandlungsgruppen abortive Formen eines Herpes beobachtet wurden (d.h. durch den frühzeitigen Therapiebeginn Verhinderung von typischen Herpes-Effloreszenzen, wie auch in vorgängigen, placebokontrollierten Untersuchungen beobachtet), spricht ebenfalls für einen gleichwertigen Therapieerfolg. Leider bleibt als Schönheitsfehler trotz kürzerer Behandlungsdauer ein erheblicher Kostennachteil für Famciclovir (Faktor 1.7 pro Behandlungszyklus!) zu erwähnen…

Quelle: M. Abudalu et al., CID 2008;47:651–658



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