Pille davor: neues Tiermodell entwickelt

Wissenschafter aus Dallas, Texas, haben in einem Mausmodell gezeigt, dass eine Prae-Expositionstherapie mit FTC+TDF die vaginale Infektion von Versuchstieren vollstaendig verhindern kann.

Allerdings sind die Zahlen im publizierten Versuch klein. Doch die Methode ist ein schritt weiter, um verschiedene Methoden einer Prä-Expositionstherapie zur Verhinderung der sexuellen HIV-Übertragung zu vergleichen.

Bisher konnten solche Studien nur im Affenmodell bei Meerkatzen durchgeführt werden. Die Forscher aus Dallas haben nun ein Mausmodell entwickelt, bei welchem es nach vaginaler Infektion der Versuchstiere zur HIV-Infektion kommt. Es handelt sich beim Versuchstier um sog. BLT-Mäuse. Die Mäuse werden so verändert, dass ihr Knochenmark (B), die Leber und das Thymus aus menschlichen zellen besteht. Damit kann man in diesen Mäusen "normale" Infektionen mit HIV-imitieren.

Nun haben die Forscher gezeigt, dass sich unter diesen Bedingungen auch die lymphatischen Zellen im Genitaltrakt und in der Darmmukosa wie beim Menschen verhalten. Jedenfalls führt die vaginale Infektion der Versuchstiere zu einer HIV-Infektion und zu einer Depletion des lymphatischen Gewebes im Darm, wie wir dies von der Primoinfektion beim Menschen kennen.

Somit lässt sich dieses Tiermodell gut für das Austesten von Massnahmen zur Verhinderung der vaginalen Infektion einsetzen. Die Autoren haben dies hier gemacht, allerdings nur mit einer relativ geringen Anzahl von Tieren. Sieben von 8 Tieren wurden nach der vaginalen Infektion infiziert, während keines der 5 Tiere, die zuvor mit FTC+TDF (Truvada) behandelt wurden, infizierbar war. Die Infektion wurde bei den anästhesierten Tieren mit einer hohen Virusdosis vorgenommen (knapp das 10’000-fache der Menge, die es braucht um Zellkulturen zu infizieren).

Natürlich ist die Zahl der hier untersuchten Tiere klein. Doch es zeigt, dass sich das Modell eignen könnte, aufwändige Experimente mit Affen zu ersetzen.

Zur Zeit werden auch Studien beim Menschen mit Tenofovir alleine durchgeführt. Die ersten Antworten dieser Studien erwarten wir nicht vor 2009.

Quelle: Denton et al, PLoS Medicine, Januar 2008

S. auch Abstract für Münchner AIDS-Tage: HIV-Prävention: Wird es eine Pille davor geben?


Prof. em. Dr. med. Pietro Vernazza

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