Panton-Valentine leukocidin produzierende Staphylococcus aureus

Staphylococcus aureus findet sich in circa 30% der Bevölkerung, in gewissen Risikogruppen (Spitalangestellte, Drogensüchtige, Diabetiker, Haemodialysepatienten etc) sogar in einem höheren Prozentsatz von ca. 50%, als Kolonisant der Haut. Staphylococcus aureus produziert als Virulenzfaktoren verschiedene Exotoxine und eines davon ist das Panton-Valentine Leukocidine (PVL).

Zum Glück produzieren nur wenige Staphylococcus aureus dieses PVL, denn Staphylococcus aureus welche dieses PVL produzieren, sind assoziert mit nekrotisierenden Infekten, der Haut und der Lunge. PVL produzierende Staphylokokken  etablieren sich relativ schnell in den Lungen und produzieren Leukozidin, zerstören so die polymorphkernigen Granulozyten, und es kommt zu einer Zytokinausschüttung. Wenn dann noch die Alveolarmakrophagen durch eine virale Koinfektion in ihrer Phagozytose geschwächt sind, dann können sich die Bakterien ungehindert vermehren, und führen so zu einer nekrotisierenden Pneumonie. Die Mortalität bei einer Pneumonie mit PVL produzierenden Staphylokokken wird auf >70% geschätzt.

In den UK hat man zwischen 2002-2003 von allen untersuchten  Staphylococcus aureus nur 2% gefunden, welche PVL produzieren. 2004 haben Boubaker et al eine kleine Fallserie aus dem Wallis publiziert, wo 6 Schüler einer Klasse zwischen 1999-2000 13 Episoden von Hautinfektionen hatten. Diesen ist man nachgegangen und hat die Staphylokokken mittels PFGE untersucht. Die Walliser haben 3 Klone gefunden , wovon der  Klon A PVL produzierte clone.jpg(s. Abb.).

PVL produzierende Staphylococcus aureus können in der Community mittels Kontaktübertragung zu Ping Pong artigen Infektionen führen.

Die Therapie solcher nekrotisierenden Staphylococcus aureus Pneumonien ist nicht klar etabliert. Da 47% der PVL produzierenden Staphylokokken MRSA sind, wird die antibiotische Therapie schwierig. Bei nicht MRSA sind Flucloxacillin, Rifampicin beschreiben, bei MRSA wird man mit der konventionellen Dosierung von Vancocin vermutlich in den Lungen zu wenig Konzentration hinbekommen, und Vancocin blockiert die Toxinproduktion nicht. Clindamycin und Linezolid blockieren hingegen auch die Toxinproduktion. Eine Kombination aus verschiedenen antistaphylokokken Medikamenten und Toxinblocker ist denkbar. Es gibt keine einheitliche Empfehlungen.

Bereits in Frankreich 2002 und in Holland 2003 wurden PVL produzierende Staphylokokken gefunden, und meist handelte es sich um MRSA. Die meisten Isolate waren assoziert mit Haut-Weichteilinfekten.

BMJ  2005;331:793-794

Emerging infectious diseases; Boubaker et al


Dr. med. Katia Boggian

Ähnliche Beiträge

2019-Coronavirus: Unser Wissensstand

Bei jedem Ausbruch einer neuen Infektionskrankheit versucht man zunächst, den Krankheitserreger und seine Übertragungswege zu erfassen, und wo dies möglich und sinnvoll...  Mehr

Joghurt bei Antibiotika – Vielleicht doch sinnvoll

Wir wissen ja schon länger, dass der Einsatz von Antibiotika die Darmflora beeinflusst. Wir kennen auch zu gut die schwere Infektion mit Clostridium diffizile v.a. bei...  Mehr

Kleider machen Ärzte

140 Jahre nach dem Erscheinen von Gottfried Kellers Novelle „Kleider machen Leute“ ist der Stellenwert der Spitalkleidung weder als Symbol für Professionalität noch als...  Mehr