SARS-Impfung – trügerische Sicherheit vor Epidemien?

Das SARS-Virus versetzte anfangs 2003 die Welt in Angst und Schrecken. Auch wenn die Virusverbreitung durch rigorose Massnahmen in seiner Verbreitung eingedämmt werden konnte, kann es jederzeit erneut auftreten, da wir bis heute keine klare Vorstellung über die Entstehung des Virus haben. Die Gruppe aus Bethesda, USA, entwickelte nun eine Impfung, welche gegen das SARS-Coronavirus schützt.

Das SARS-Coronavirus trat erstmals Ende 2002 in Südostasien auf. Bis heute sind mehr als 8000 Menschen mit dem Virus infiziert worden, und es waren 774 Todesfälle zu verzeichnen. Es handelt sich um ein Coronavirus, welches bis anhin nicht bekannt war. Coronaviren tragen ein Oberflächeneiweiss (Spike- oder S-Protein), welches für die Infektion der Wirtszelle verantwortlich ist, da es die Bindung des Virus an die Zelle vermittelt.

 

Sars ImpfungDie Forscher des Laboratory of Infectious Diseases, Bethesda, entwickelten nun eine Impfung, welche eine Antwort des Abwehrsystems hervorruft und eine Erkrankung an einer SARS-Coronavirus-Infektion zu verhindern scheint.

Sie bauten in ein bereits bestehendes attenuiertes (nicht mehr krank machendes) Impfvirus, eine Parainfluenza-Virus (A), das Gen des S-Proteins (B) ein. Anschliessend impften sie je vier Affen mit dem neu entstandenen SARS-Impfvirus (C) und einem Kontrollvirus (D), welches kein S-Protein enthielt, indem sie die Impfviren auf die Schleimhäute der Atemwege applizierten und so den natürlichen Infektionsweg des SARS-Coronavirus nachahmten (E). Die vier mit dem SARS-Impfvirus geimpften Affen entwickelten in der Folge eine Immunantwort gegen das S-Protein (F).

28 Tage nach der erfolgten Impfung wurden alle acht Affen mit dem SARS-Coronavirus infiziert (G). Bei den vier gegen das SARS-Coronavirus geimpften Affen konnte in der Folge kein SARS-Coronavirus im Respirationstrakt nachgewiesen werden – im Gegensatz zu der Kontrollaffengruppe, welche das SARS-Coronavirus ausschieden und damit ansteckend waren (H). Dies ist ein Hinwies darauf, dass durch die Impfung die Infektion und vor allem weitere Verbreitung des SARS-Coronavirus verhindert wird.

 

Diese Resultate sind erfolgsversprechend. Innert so kurzer Zeit einen Prototyp für einen Impfstoff gegen SARS zu entwickeln ist eine Glanzleistung. Doch es darf vor diesem euphorischen Hintergrund nicht vergessen werden, dass im letzten Jahrhundert zum Beispiel mit dem HI-Virus ebenfalls ein neues Virus aufgetreten ist, gegen das bis heute keine Impfung entwickelt werden konnte. Daher sind das Verständnis des Virus und dessen Lebenszyklus und die auf diesem aufbauenden Vorbeugemassnahmen, mögen sie noch so archaisch erscheinen, von entscheidender Bedeutung, will die Menschheit gegen die Gefahr der „Emerging Infectious Diseases“ gewappnet sein.

 

Alexander Bukreyev et al. Mucosal immunisation of African green monkeys (Cercopithecus aethiops) with an attenuated parainfluenza virus expressing the SARS coronavirus spike protein for the prevention of SARS. Lancet 2004; 363: 2122-27



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