HIV-Therapie und Herz-Kreislauf-Risiko

Die HIV-Therapie hat fantastische Resultate gezeigt. Als Nebenwirkung der Behandlung kommt es nicht selten zu einer Erhöhung der Blutfette – ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Der Nutzen der HIV-Therapie ist unbestritten. Doch die Erhöhung der Blutfette, die unter der Behandlung beobachtet werden kann, ist nicht als banal einzustufen. Erhöhte Blutfettwerte gelten allgemein als Risikofaktor für Herzinfarkt und Hinrschlag, wie auch Diabetes, Nikotinkonsum, familiäre Belastung und Übergewicht. Doch bisher war nicht klar, ob die Blutfetterhöhung unter HIV-Therapie auch zu einer Erhöhung des Riskos führt.

Da wir es hier in der relativ jungen Population von HIV-Patienten mit einem seltenen Ereignis zu tun haben (Herzinfarkt/Hinrschlag) muss eine Studie welche das Risiko abschätzen will, eine sehr grosse Zahl von Patienten einschliessen, ein Unterfangen, welches nur in einer Internationalen Zusammenarbeit gelingt. Dies ist der D.A.D Studie  gelungen, eine Studie, die über 23"000 Patienten aus 11 Kohorten zusammenfasst. Die Schweizerische HIV-Kohortenstudie hat fast 20% der Daten beigesteurert.

Während den gut 36"000 Beobachtungsjahren traten 126 Herzinfarkte auf. Das Risko, einen Herzinfarkt zu erleiden war signifikant höher in der Gruppe von Patienten, die unter einer antiviralen Therapie standen. Das relative Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden war (pro Jahr) um 26% erhöht (Konfidenzintervall 12-41%). Andere Risikofaktoren waren auch hier: Alter, Rauchen, männliches Geschlecht und erhöhte Blutfette oder Diabetes.

Aus der untenstehenden Abbildung geht schön hervor, wie das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden mit jedem Jahr der Therapie steigt.

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Die Resultate bestätigen bisherige Befürchtungen. Dennoch, sie müssen in eine vernünftige Relation gebracht werden. Das Risiko für einen Herhinfarkt war bei Rauchern doppelt so hoch wie für Nichtraucher (Zunahme 100%). Da 60% der Patienten rauchen, wäre dieser Risikofaktor einfacher anzugehen als die Blutfetterhöhung unter Therapie. Und noch wichtiger: Ein Herzinfarkt ist doch vergleichsweise ein seltenes Erreignis, wenn man dieses in Relation setzt zur fast obligaten Immunschwäche, welche das HIV-Virus ohne HIV-Therapie auslösen würde.

Quelle: DAD Study group, NEJM. 20. Nov. 03


Prof. em. Dr. med. Pietro Vernazza

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