Herdimmunität: Schütze deinen Nächsten – Impfe dich selbst

Referat von Prof. Dr. med. Manuel Battegay, Leitender Arzt Abteilung für Infektiologie, Universitätskliniken, Kantonsspital Basel.

Herdenimmunität – ursprünglich ein Begriff aus der Veterinärmedizin: Man versteht darunter den Schutz der ganzen Bevölkerung vor einer Infektion durch die Präsenz immunisierter Individuen. Dabei spielt vor allem auch der indirekte Schutz von nicht immunen Individuen durch immuniserte Personen eine wichtige Rolle, wie Prof. Battegay eindrücklich visualisierte.


Trifft ein Infektionserkrankung auf eine nicht immune Population, wird sie sich dort in der Regel rasch (abhängig vom Erreger) ausbreiten. Dies geschiet nach dem Schneeballprinzip. Je höher aber der Anteil der Bevölkerung ist, der eine (durch Krankheit oder Impfung erworbene) Immunität besitzt, desto eher können grössere Ausbrüche einer Infektion vermieden werden.


Eine wichtige Kenngrösse einer Infektionserkrankung ist die „basale Reproduktionsrate“. Man versteht darunter die durchschnittliche Anzahl Personen, die direkt durch 1 infektiöse Person während der ganzen Ansteckungsperiode angesteckt werden können, wenn diese eine Person in eine total naive Population eintritt. Für Masern z.B. ist diese basale Reproduktionrate (mit 10 bis >20) extrem hoch.

Je höher die basale Reproduktionsrate, desto tiefer das Durchschnittsalter der Betroffenen bei einem Kranheitsausbruch. Impfprogramme erhöhen das Durchschnittsalter von nicht-immunisierten Personen einer Infektion wegen des erniedrigten Risikos, mit dem Erreger in Kontakt zu kommen. Ungünstig kann sich dies auswirken, wenn die Krankheit bei Erwachsenen schwerer verläuft als bei Kindern (was häufig der Fall ist z.B. bei Hepatitis A, Masern, Mumps..) und wenn die Impfrate unter eine bestimmte Schwelle fällt. Im ungünstigsten Fall könnte eine Impfung die Krankheit in einer Population sogar verstärken.

Masern und Mumps sind keine harmlosen Kinderkrankheiten, wie sie leider oft dargestellt werden. Komplikationen mit Folgeschäden und im schlimmsten Falle sogar Tod kommen vor, auch bei Kindern. Zudem lässt sich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Die Impfungen sind da und werden auch weiterhin verwendet werden. Eine reelle Gefahr droht aber, wenn die Durchimpfung abnimmt.

Eine Impfung ist also nur so gut wie der Impfstoff und die Herdenimmunität. In diesem Sinne:    Schütze deinen Nächsten – Impfe dich selbst.

Die vollständige Präsentation des Vortrags von Prof. Manuel Battegay (pdf-file) finden Sie hier.


Dr. med. Patrick Schmid

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