Knapp 2000 Besucher am STD Kongress in Berlin

Vom 24.-27. Juni 2001 fand in Berlin der 5. Internationale STD Kongress statt. Knapp 2000 Aerzte/innen und WissenschaftlerInnen haben sich getroffen. Aus St. Gallen mit dabei Pietro Vernazza, der im Folgenden kurz berichtet.

Geschlechtskrankheiten (STDs) sind in der Schweiz eine wenig diskutierte Krankheitsgruppe. Wenig spezialsierte Zentren kümmern sich in den grossen Städten um Patienten mit Geschlechtskrankheiten, allerdings mit wenig wissenschaftlichem Interesse. So ist es auch erklärlich, dass ich mit Ausnahme einiger WHO-Funktionäre niemandem aus der Schweiz begegnet bin. Im Vergleich zu HCV- oder HIV-Kongressen fällt auch auf, dass die Pharmaindustrie im Bereich STD praktisch nicht präsent ist. Auch hier wieder ein Zeichen, dass STDs vorwiegend ein Problem der armen Länder ist.
Doch in den Entwicklungsländern sind STDs tatsächlich ein grosses Problem.

Zwei Hauptthemen haben mich am Kongress hauptsächlich beschäftigt:
1. Zusammenhänge STD – HIV
2. Effekt der Zirkumzision als HIV-Prävention

Ein Epidemiologischer Zusammenhang zwischen HIV und STD"s ist schon länger bekannt. In einem vom Robert Koch Institut organisierten Symposium wurde diese Frage diskutiert. In meinem eigenen Vortrag zu HIV in Genitalsekreten ging ich der Frage nach, wie man HIV-Infektiosität messen könne. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen ist klar gezeigt, dass die HIV-Ausscheidung in Genitalsekreten bei STDs deutlich erhöht ist. Die grosse Frage ist nun, ob eine Behandlung von STDs in Sub-Sahara-Afrika zu einer Reduktion der HIV-Neuerkrankungen führt.

Die aktuelle Interpretation zweier grossen Feldstudien, die nicht zum gleichen Resultat führten, ist wie folgt: Eine STD-Intervention verhindert dann weitere HIV-Infektionen, wenn diese Intervention früh während einer Epidemie vorgenommen wird und wenn möglichst alle Personen mit Zeichen einer STDs sofort behandelt werden und nicht einfach von Zeit zu Zeit eine "flächendeckende" Behandlung von möglichst vielen Personen erfolgt, wie dies in einer der beiden Grossprojekte (Rakai-Projekt) gemacht wurde.

Eine grosse Diskussion gab es um die Frage, ob eine Beschneidung (Zirkumzision) eine sinnvolle Präventionsmassnahme in Afrika darstellen würde. Falls eine solche Intervention einen Nutzen hat, dann vor allem bei HIV-negativen Männern die mit einer HIV-positiven Partnerin zusammenleben (high-risk). Das Risiko, eine HIV-Infektion zu erwerben ist etwa 1.5 mal höher bei Männern die nicht beschnitten sind. Doch die Interpretation dieser Studien wird durch verschiedene sog. Confounding biases erschwert. Eine wichtige Rolle könnte die Religionszugehörigkeit und damit ein unterschiedliches Sexualverhalten von beschnittenen (Moslim) und unbeschnittenen Männern (Christen) spielen.

Auch wenn die vorhandenen Daten tatsächlich eine Wirksamkeit einer Zirkumzision vermuten lassen, müssen noch einige Fragen geklärt werden: Ist eine Zirkumzision auch dann noch von gleichem Nutzen, wenn sie im Erwachsenenalter (statt bei Kleinkindern) durchgeführt wird. Umstritten ist auch die Frage, ob eine solche Intervention überhaupt auf Akzeptanz bei der männlichen Bevölkerung stossen wird. Wenn überhaupt, müsste sie bei Kleinkindern durchgeführt werden, sodass der geringe Effekt auf die HIV-Epidemie frühestens in 15 Jahren zu erwarten wäre.

Eine interessante Debatte ging der Frage nach, ob es in zehn Jahren noch eine medikamentöse Behandlung für die Gonorrhoe (Tripper) geben wird. Dabei wurde über eine interessante Beobachtung berichtet. Gonokokken, die Erreger des Tripper, sind vielerorts resistent auf Penizillin, so dass man heute mit anderen Antibiotika behandelt. Nun sind die Erreger an einigen Orten der Welt auch auf die neusten Antibiotika (z.B. Quinolone) resistent. Beobachtungen in London weisen nun darauf hin, dass die Erreger, die auf die neusten Antibiotika resistent sind, nun wieder auf das erste Gonokokken-Medikament, Penizillin, gut ansprechen. Diese Beobachtung muss noch weiter bestätigt werden. Doch das wäre ein Argument für eine Kombinationstherapie von Gonokokken mit verschiedenen Substanzklassen.



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