22 nd International chemotherapy congress in Amsterdam

Es handelt sich hier nicht um einen onkologischen Kongress, wie der Name vermeintlich glauben lassen könnte, sondern um einen Kongress mit Schwerpunkt Infektiologie. Organisiert wird der Kongress von der ISC (International Society of Chemotherapy). Dieses Jahr war es ein Joint-Venture mit der IIHS (International Immunocompromised Host Society), und ganz in diesem Sinne war ich v.a. in Sessionen, die Infekte bei Immunsupprimierten zum Thema hatten und vornehmlich Pilzinfekte.Bei immunsupprimierten Patienten sind Pilzinfektionen eine grosse Herausforderung an die behandelnden Ärzte. Nicht nur die Behandlung gestaltet sich schwierig, auch die Stellung der Diagnose ist äusserst schwierig. Hier gab es verschiedene Vorträge zu den verschiedenen diagnostischen Möglichkeiten bei Pilzinfektionen in neutropenen Patienten. Die labortechnischen Methoden der PCR-Bestimmung ( Polymerase Chain Reaction) und der Bestimmung des Galactomannan-Antigen ( ein Bestandteil der Zellwand der Aspergillen) wurden gegeneinander abgewogen (Dr. P.E. Verweij, NL). Die PCR Bestimmung ist sehr spezifisch und kann uns sehr genau sagen, was für ein Aspergillusinfekt wir vor uns haben.

Hingegen kann bis heute die PCR noch keine quantitative Aussage machen, d.h. für einen Therapieerfolg können wir die PCR nicht hinzuziehen. Ein Problem der PCR ist auch , dass sie nicht kommerzialisiert zu haben ist, also verschiedene PCR aus verschiedenen Labors können nicht miteinander verglichen werden, und ein weiterer Nachteil ist die mögliche Kontamination durch Umweltfaktoren, die bis zu 8% betragen kann. Aber auch mit der Bestimmung des Galactomannan haben wir nicht das Ei des Kolumbus in der Hand, denn auch hier gibt es falsch positive Werte, da Galactomannan häufig in Nahrungsmitteln vorhanden ist. Zudem gibt es Kreuzreaktionen mit anderen Pilzen (z.b. Penicillium) und somit ist der Test nicht sehr spezifisch, hingegen kann Galactomannan quantitativ bestimmt werden und so für einen Therapieerfolg herangezogen werden. In Zukunft muss also noch einiges geschehen , damit die Diagnostik der Pilzinfektionen bei neutropenen Patienten verbessert wird.

In einer anderen Session berichtete Dr.M. Becker ( NL) über den Wert der Galactomannan- AG Bestimmung im Serum und in der bronchoalveolären Lavage (BAL) verglichen mit dem diagnostischen Wert einer frühen CT-Untersuchung. Er konnte an seinen Patienten sehr schön zeigen, dass das CT immer positiv war, hingegen waren Galactomannan-AG im Serum nur in ca.50% positiv und in der BAL aber zu 100% positiv. Das Fazit daraus: Bei einem Patienten mit Neutropenie bei über 4-5 Tagen persistierendem Fieber unter Breitspektrumantibiotika sollte früh eine CT-Untersuchung erfolgen.

Vieles wurde dann auch zu einer neuen Klasse von antifungalen Medikamenten gesagt, nämlich den Echinocandinen. Es handelt sich hier um eine ganz neue Substanzgruppe, welche die Beta-Glucan-Synthese hemmt und somit zu einer Hemmung der Pilz-Zellwandsynthese führt. Hier gibt es drei verschiedene Vertreter, das Micafungin, das Caspofungin und das Anidulafungin. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass es sich hierbei um Medikamente handelt, die gut ertragen werden und nur wenige Nebenwirkungen haben. In weiteren klinischen Studien wird nun ihre Effizienz erprobt. Zur Zeit sind Studien am laufen, die die Echinocandine als Salvage-Therapie bei Versagen aller üblichen antifungalen Mittel bei invasiver Aspergillose untersuchen und erste Ergebnisse zeigen, dass es in 41% dieser Fälle zu einer Verbesserung kommt! Vielleicht mag 41% als nicht viel erscheinen, wenn man sich aber vor Augen hält, dass es sich hier um eine Salvage-Therapie handelt, also um eine Therapie bei Patienten , bei denen jegliche andere Therapie versagt hat, dann ist 41% doch sehr hoch.

Ausserdem wurden die Echinocandine auch an Patienten mit Candida-Oesophagitis untersucht und zeigten hier eine gute Wirksamkeit, Studien zur Wirksamkeit bei systemischer Candidiasis sind noch am laufen.

Weitere Daten über die Echinocandine werden folgen, eine Frage die auch untersucht werden muss ist: Wie wirken die Echinocandine in Kombination mit den Azolen oder in Kombination mit Amphotericin B?

Ein bisher nur experimenteller, aber dennoch sehr interessanter Approach, wurde von einer niederländischen Gruppe aus Rotterdam vorgestellt:Sie zeigten die Pharmakokinetik von nebulisiertem Fungizone und Ambisome, welches leukopenen Ratten zum Inhalieren gegeben wurde. Es fand sich eine hohe Konzentration in den Lungen, welche über 30 Tage anhielt , hingegen konnte im Serum kein Amphotericin B nachgewiesen werden, weder bei Fungizone noch bei Ambisome. Danach haben sie den gleichen Versuch gemacht, und haben die Ratten aber mit Aspergillen (durch einen Tubus in die linke Lunge) infiziert. In dem Versuch konnten sie zeigen, dass die Inhalation von nebulisiertem Fungizone oder Ambisome, 2h vor der Inoculation und bis zu 4 Wochen vor der Inoculation mit Aspergillen zu einem signifikant höheren Überleben der Ratten führte.

Das wäre ein interessanter klinischer Approach, wenn es möglich wäre durch Inhalation von Amphotericin B, jenen Leuten die sich einer aplasierenden Chemoterapie unterziehen müssen, eine Prophylaxe gegen die pulmonal invasive Aspergillose zukommen lassen zu können.

Neben den Pilzinfektionen, gab es natürlich allerlei andere Sessionen zu Antibiotika, antiviralen Medikamenten und Impfungen.

Ein Vortrag der mir wieder gezeigt hat, wie wenig wir im Grunde genommen über Zusammenhänge wissen, war der Vortrag von S.M. Finegold aus Los Angeles. Er postulierte die Hypothese, dass der „erworbene Autismus“ vermutlich eine Infektionskrankheit sei, hervorgerufen durch eine Überwucherung des Darmes mit Clostridium tetani, welches dann zu einer Überproduktion des neurogenen Toxins führe und so zum erworbenen Autismus.Er konnte aber keine eindeutigen Zahlen zeigen und diesen Zusammenhang nicht eindeutig belegen, aber dennoch gab mir das Ganze zu denken: Sind eventuell alle Krankheiten, die wir kennen durch irgendwelche Erreger hervorgerufen?
Und folgender Satz kam mir wieder und wieder in den Sinn:
Je mehr ich weiss, desto mehr weiss ich , dass ich nichts weiss! ( oh wie wahr!)


Dr. med. Katia Boggian

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