5. Juni 2019

HIV-Therapie: Soziale Faktoren besser beachten

Der wichtigste Faktor für den Erfolg einer HIV-Therapie ist die regelmässige, korrekte Einnahme der Medikamente (Adherence). Unregelmässige Einnahme der Tabletten fördert das Risiko einer Resistenzbildung. In der Schweiz sind wir in der glücklichen Lage, dass wir eine ausgezeichnete Gesundheitsversorgung haben. Die Zahl von HIV-infizierten Persone mit einem resistenten Virus nimmt laufend ab, wie wir aus den Daten der HIV-Kohortenstudie (www.shcs.ch) wissen.

Neue Studie untersucht Gründe für Resistenzentwicklung
Im Rahmen der SHCS sind Irene Abela und Koautoren der Frage nachgegangen, welche Faktoren heute noch eine Resistenzbildung fördern. Die Autoren haben insbesondere den Einfluss von sozialen Faktoren untersucht. Dabei kommen sie im Rahmen ihrer multivariaten Analyse zum Schluss, dass einerseits das psychische Wohlbefinden („mental health“) und andererseits die Arbeitslosigkeit zwei Faktoren sind, die mit einem höheren Risiko einer HIV-Resistenzbildung einhergehen (s. Abbildung). Sicher gibt es noch andere Faktoren, doch im Rahmen dieser grossen Kohortenstudie können nicht sehr viele soziale Fragen detailliert erhoben werden.

Engagement für Sozial benachteiligte Menschen lohnt sich
Doch die Studie zeigt doch, dass wir uns bei der Betreuung von HIV-Patienten besonders intensiv um Menschen mit schwierigen sozielen Verhältnissen kümmern müssen und diese besonders gut für die regelmässige Medikamenteneinnahme motivieren sollen. Dies benötigt Zeit und gegebenenfalls auch den Beizug von Dolmetschern. Doch dieser Mehraufwand lohnt sich, denn jede Entstehung von Resistenzmutationen erschwert und verteuert die Therapie und birgt auch das Risiko einer weiteren ÜBertragung des resitenten Virus.


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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