6. Dezember 2018

HIV-Resistenz bei Therapieversagen

Wir wissen, dass die regelmässige Einnahme von HIV-Medikamenten wichtig ist, damit die Virusvermehrung im Körper vollständig gestoppt ist. Dies ist eine Voraussetzung, damit das Virus keine neuen Resistenzmutationen bilden kann. Bei unregelmässiger Tabletten-Einnahme, kann das Virus sich wieder vermehren, es kommt zum Anstieg der Viruslast im Blut (gemessen mit HIV-RNA PCR). Wenn dieser Zustand länger anhält und die Person immer noch einige Medikamente zu sich nimmt, dann hat das Virus die Chance, gegen diesen Selektionsdruck (die HIV-Medikamente) eine Resistenz zu bilden.

Vergleichende Studie Schweiz – Afrika
Autoren der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie haben nun in einer internationalen Zusammenarbeit mit Kollegen aus Lesotho und Uganda das Risiko einer Resistenzbildung bei Auftreten eines HIV-Therapieversagens  untersucht. Eingeschlossen haben die Autoren Patienten aus den beteiligten Kohorten, bei welchen es unter einer Therapie zum Anstieg der Viruslast (>1000 Kop/ml) kam. Ein Grund dafür kann natürlich sein, dass der Patient die Medikation gestoppt hat. Je häufiger jedoch unregelmässige Therapieeinnahme im Spiel ist, desto grösser ist das Risiko einer Resistenzentwicklung.

Resistenzentwicklung ein relevantes Problem
Die Untersuchung zeigt, dass die Resistenzentwicklung wirklich ein grosses Problem darstellt. Sie zeigt aber auch, dass die Probleme in Subsahara-Afrika deutlich grösser sind als in der Schweiz. Untersucht wurden Therapieveragen bei Patienten mit einer NNRTI-Therapie (Efavirenz oder Nevirapin). Insgesamt wurde von 58, 210 und 61 Patienten mit Therapieversagen aus Lesotho, Uganda und der Schweiz untersucht. Wie die beiliegende Abbildung zeigt, findet sich bei Patienten aus Afrikanischen Ländern deutlich häufiger eine Resistenzentwicklung im RT-Gen. Dargestellt ist die Häufigkeit der einzelnen Resistenzmutationen in den verschiedenen Ländern (a, links) und der aufgrund der Resistenzkombinationen berechnete Resistenz-Score (b, rechts. Je höher, desto resistenter ist das Virus).

Weniger Resistenzprobleme in der Schweiz
Es zeigt sich aber auch, dass wir in der Schweiz weniger Resistenzproblem haben als in den beiden Vergleichsländern in Afrika. Die Autoren vermuten, dass dies auch mit der häufigeren HIV-RNA Testung in der Schweiz einen Zusammenhang haben könnte. Sicher ist, dass das Auftreten von Resistenzmutationen immer auch eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit darstellt.

Wir wissen heute, dass die medizinische Behandlung der HIV Infektion den besten präventiven Effekt aufweist. Wenn nun in einem Land mit hoher HIV-Prävalenz die Resistenzrate steigt, so werden Behandlungsoptionen bescheidener was letztendlich die gesamte Prävention der Epidemie einschränkt.


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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