7. August 2018

Tb-Prophylaxe – auch kürzere Behandlung möglich?

Eine Forschungsgruppe hat in einem kürzlich im New England Journal of Medicine erschienenen Artikel zeigen können, dass eine 4-monatige prophylaktische Tuberkulosebehandlung mit dem Antibiotikum Rifampicin gleich wirksam (non-inferior)  für die Prävention einer aktiven Tuberkuloseerkrankung ist wie die etabliertere 9-monatige Prophylaxe mit Isoniazid.

Bei der Tuberkulose unterscheiden wir grundsätzlich zwischen einer Tuberkuloseinfektion und einer Tuberkuloseerkrankung. Das Vorliegen einer Tuberkuloseinfektion bedeutet, dass der Organismus in der Vergangenheit Kontakt mit Tuberkuloseerregern hatte, was im Blut- oder Hauttest (Inferferon-ɣ-release assay IGRA resp. Mendel-Mantoux-Test) eine T-Zell-stimulierte Immunantwort und somit ein positives Resultat erzeugt. Beide Tests geben uns somit Hinweise auf das Vorliegen einer sog. latenten Tuberkuloseinfektion. Eine latente Tuberkulose muss jedoch nicht zwangsläufig zu einer aktiven Tuberkuloseerkrankung führen. Im Gegenteil, wir wissen, dass nur ein geringer Prozentanteil von max. 5-10% der Personen, welche in Kontakt mit dem Tuberkuloseerreger kommen, im weiteren Verlauf eine symptomatische Infektion entwickeln.

Höchstes Risiko hierfür besteht in den ersten 2 Jahren nach einem relevanten Kontakt zu Tuberkelbakterien, auch eine fortgeschrittene HIV-Infektion oder andere chronische Erkrankungen und eine medikamentöse Immunsuppression insb. mit TNF-α Blockern können eine Reaktivierung der latenten Infektion auslösen. Die Behandlung einer latenten Tuberkuloseinfektion zielt also darauf ab vor allem in den Hochrisikogruppen das Risiko der Entwicklung einer aktiven Tuberkuloseerkrankung zu vermindern.
Die Forscher zeigten in dem in 9 Ländern durchgeführten open label trial mit 6859 eingeschlossenen Erwachsenen Personen mit bestätigter latenter Tuberkuloseinfektion, dass in der Gruppe welche mit Rifampicin (10 mg/kg/KG/d) für 4 Monate behandelt wurde während der 28-monatigen Verlaufsbeobachtung nicht mehr Fälle von aktiven, symptomatischen Tuberkuloseerkrankungen auftraten als in der Gruppe welche die längere, 9 Monate dauernde Behandlung mit Isoniazid (5 mg/kg/KG/d) plus Vitamin B6 erhielten (Unterschied betrug dabei weniger als 0.01 Fälle pro 100 Personenjahre, 95% Konfidenzintervall [CI], -0.14 – 0.16 bezüglich bestätigter Tuberkuloseerkrankungen).


Dabei war die Abbruchrate in der kürzeren Rifampicin-Behandlungsgruppe deutlich geringer als in der Standardgruppe mit Isoniazid. 78.8% der Rifampicin-Gruppe hat die Behandlung bis zum Ende durchgeführt, dahingegen nur 63.3% der Isoniazidgruppe. Darüber hinaus fanden sich in der Rifampicin-Gruppe signifikant weniger schwere Nebenwirkungen (total 80 Fälle in der Rifampicin-Gruppe vs. 162 Fälle in der Isoniazid-Gruppe). Die am häufigsten beobachteten Probleme waren dabei die bekannt hepatotoxischen Effekte des Isoniazid, welche unter der Rifampicin-Behandlung signifikant seltener auftreten.

Die Studie liefert somit weitere Evidenz für den Benefit einer kürzen 4-monatigen Prophylaxe mit Rifampicin statt der bisher meist favorisierten 9-monatigen Isoniazid-Behandlung. Überzeugend ist hier vor allem die deutlich bessere Adhärenz der Patientin zur Behandlung während der kürzeren Therapiespanne ohne das nach der verkürzten Behandlung mehr Fälle von Tuberkuloseerkrankungen zu befürchten sind.

Foto von Janels Katlaps


Dr. med. Kerstin Wissel

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