31. Juli 2018

HIV positive Mütter – Stillen als eine Option!

Endlich ist es so weit: Eine breit zusammengesetzte Arbeitsgruppe aus Schweizer Expertinnen und Experten der Infektiologie, Pädiatrie und Geburtshilfe haben nach einem aufwändigen Diskussionsprozess und unter Einbezug von Exerten der Eidg. Kommission für Sexuelle Gesundheit nun ihr Positionspapier in der SMW publiziert, in welcher das Stillen eines Kindes einer HIV-positiven Mütter unter bestimmten Bedingungen als durchaus vertretbare Option diskutiert wird.

Optimales Szenario für normale Geburtshilfe
Die Experten beschreiben ein „optimales Szenario“, in welchem man eigentlich eine HIV-positive Schwangere genau gleich behandeln kann, wie eine HIV-negative Frau. Als „optimales Szenario“ wird eine Situation beschrieben, in der eine Frau von Beginn der Schwangerschaft und über die Geburt hinaus durch die ganze Stillperiode eine gut wirksame Therapie einnimmt und die Viruslast unterdrückt ist. Bereits vor zwei Jahren hatten die Experten beschrieben, dass in dieser Situation alle Aspekte der Geburtshilfe wie bei HIV-negativen Frauen durchgeführ werden können (normale vaginale Geburt, Kopfsonde wenn notwendig, keine Post-Expositionsprophylaxe für das Neugeborene).

Stillen als eine Option
Etwas mehr Zeit haben sich die Experten für die Frage genommen, ob die Mütter in diesem „optimalen Szenario“ nach der Geburt das Kind auch Stillen können. Nun kamen die Autoren zum Schluss, dass es keine gesicherten Fälle gibt, bei denen es bei vollständig unterdrückter Viruslast zu einer Übertragung beim Stillen kam. Dort wo man den Effekt der Therapie untersuchen konnte, kam es bisher noch nicht zur Übertragung durch Stillen. Die Autoren wollen aufgrund der noch bescheidenen Datenlage nicht ausschliessen, dass einmal eine solche Übertragung nicht doch theoretisch mal auftreten könnte.

Abwägen mit Vorteilen des Stillens
Die Autoren diskutieren in der Arbeit dann auch die möglichen Vorteile des Stillens für Mutter und Kind. Sie kommen zum Schluss, dass es unmöglich ist, anhand der bekannten Vorteile des Stillens und dem unbekannt kleinen Restrisiko einer HIV-Übertragung, einer Schwangeren eine klare Empfehlung für oder gegen den Entscheid zu stillen abzugeben. In dieser Situation fordern die Autoren, dass man die Frauen (und deren Partner) in diesen Entscheidungsprozess einbeziehen soll. Sie schlagen im soeben im SMW erschienen Artikel vor, die Schwangere offen über eine klare Liste von Pro- und Kon-Argumenten zu informieren.

Mit diesem Schritt kann man nun heute davon ausgehen, dass eine HIV-positive Person unter einer gut durchgeführten Therapie wirklich ein normales Leben mit normaler Lebensqualität haben kann.

In der gleichen Nummer der SMW hat Anna Gamell in Ihrem Editorial die Absicht der Autoren sehr schön zusammengefasst:
„It is time that high-income countries move towards less rigid recommendations about infant feeding. Some families affected with HIV are ready to understand the risks and benefits of breastfeeding their HIV-exposed infants. Therefore, healthcare providers must be able to offer them unbiased information to empower their comprehensive understanding of one or other decision. If, after a shared decision-making process, the mother’s choice is supported with a nonjudgmental attitude and close monitoring is arranged, the best care for her and her infant will be guaranteed.“

Dem ist nichts beizufügen!

Quelle: Kahlert et al, Swiss Medical Weekly, 2018;148:w14648

Foto von jessicafm


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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