7. Mai 2018

Masern: Wiederaufflackern in Europa

In den letzten Monaten sehen wir in Europa eine starke Zunahme an Masernfällen.

Das Europäische Center for Disease Control (ECDC) hat kürzlich die Zahlen von März 2017 bis Februar 2018 publiziert, daraus finden Sie nachfolgend die Situation nachgebildet.Die Schweiz ist in den europäischen Zahlen nicht abgebildet, deshalb der weisse Fleck, aber auch wir in der Schweiz haben einen Anstieg an Masernfällen zu verzeichnen. 2016 wurden 65 Fälle gemeldet, 2017 dann 105 und im noch frischen 2018 bereits 17 Fälle. Die Situation ist nicht so Schlimm wie in Rumänien, Griechenland, Italien und Frankreich, aber dennoch ist Wachsamkeit angezeigt.

Im Zusammenhang mit den Ausbrüchen in den europäischen Ländern werden nun wieder Krankheitsverläufe aufgezeigt, die wir schon längst vergessen hatten.

So wurde in der aktuellen Aprilausgabe 2018 von Neurological Sciences ein Fall aus Italien beschrieben. Es handelt sich dabei um eine 32 jährige rumänische Frau, die schon länger in Italien lebt. Sie stellte sich mit einer akuten Hanrblasenretention und Beinschwäche beidseits vor. Es fällt ein maculopapulöses Exanthem auf und die Patientin erzählt, dass sie in der Woche vor dem Exanthem Halsweh und Fieber hatte und Clarithromycin bekommen habe.

In der neurologischen Untersuchung zeigte sich eine Tetraparese und im Longspine-MRI konnte eine Myelitis von C4 bis C7 festgestellt werden. Es wurde infektiologisch breit diagnostisch gesucht, und letztendlich die Diagnose einer akuten Maserninfektion gestellt. Die Patientin erholte sich nur sehr langsam, nach 2 Monaten konnte sie dann wieder selbständig gehen, und nach 6 Monaten hatte sich die Blasenfunktion auch so gebessert, dass die intermittierende Selbstkatheterisierung gestoppt werden konnte.

Ein Fall der zum Glück gut ausgegangen ist, dennoch zeigt er auf, dass wir Masern wieder insgesamt mehr ins Blickfeld rücken müssen. Hier wurde die Diagnose erst anhand der Serologie gestellt, obwohl Italien gerade zu der Zeit einen grossen Masernausbruch erlebte!

Deshalb auch diese kurze Abhandlung hier über die Masern, als Reminder.

An Masern denken bei:

  • maculopapulösem Exanthem (Beginnend am Kopf, v.a. hinter den Ohren)
  • Konjunktivitis
  • Fieber
  • meist vor dem Exanthem  Symptomatik einer Rhinitis mit Husten

Wichtig: auch nicht vollständig geimpfte können an Masern erkranken, und da der Impfschutz nicht 100%ig ist, kann auch mal jemand der vollständig geimpft ist an Masern erkranken. Die Masern bei geimpften Personen verlaufen häufig atypisch, nicht so dramatisch und sind nicht so infektiös. Hier empfiehlt sich bei Verdacht  einen Rachenabstrich für Masern-PCR durchzuführen.

In welchem Zeitraum ist man infektiös? Hier hat das BAG eine schöne Grafik kreiiert, die Sie nachfolgend konsultieren können.

©BAG März 2015

 

Bei Masern bitte kantonsärztlichen Dienst innert 24 h informieren, damit die Umgebungsuntersuchung stattfinden kann.

Postexpositionelle Impfung innert 72 Stunden möglich bei exponierten nicht-immunen Personen und falls Impfung nicht möglich( weil z.b. Immunsuppression vorhanden) dann sollten Immunglobuline verabreicht werden, diese können innert 6 Tagen verabreicht werden.

 

Fragen und Antworten BAG zu Masern 2017 (pdf)

 

 

 

 

 

 


Dr. med. Katia Boggian

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