17. März 2018

Aortenaneurysma wegen Antibiotikum? – Quinolone im Verdacht

Dass Chinolone zu Sehenrissen führen, inbesondere der Achillessehne ist uns gut bekannt. Doch offenbar – so eine soeben publizierte Studie aus Schweden – verursacht das Antibiotikum auch folgenschwere Schäden am Bindegewebe.

Die Autoren nutzten die Registerdaten aus Schweden, wo alle gesundheitsrelevanten Daten erfasst werden. So konnten insgesamt über 360’000 Therapien mit Fluorchinolonen (drei Viertel davon Ciprofloxacin) in der Studie analysiert werden. Verglichen wurden die Patienten, die mit Chinolonen behandelt wurden mit einer ebenso grossen Gruppe von Personen, die eine antibiotische Therapie mit Co-Amoxycillin erhalten hatten. Die beiden Gruppen wurden so ausgewählt dass sie bezüglich Risikofaktoren für Gefässkrankheiten gut vergleichbar waren.

Aortenaneurysma als „Endpunkt“
Die Autoren erfassten bei diesen vielen Patienten ein relativ seltenes, aber schweres Ereignis, das Aortenaneurysma. Dabei handelt es sich um eine Ausdehnung der Hauptschlagader infolge Lockerung des elastischen Bindegewebes in der Gefässwand. Aortenaneurysmata können bei verschiedenen Situationen auftreten. In der untersuchten Population (720’000) kam es in 104 Fällen zu einem Aortenaneurysma innerhalb 60 Tagen nach Beginn der Antibiotika-Therapie.

66% mehr Fälle bei Chinolonen
Tatsächlich war das Risiko, ein Aortenaneurysma zu erleiden signifikant höher in der Gruppe der Chinolon-Behandelten (64 Fälle) als in der Co-Amoxycillin gruppe (n=40). Besonders hoch war der Unterschied in den ersten 10 Tagen der Behandlung.

Seltene aber schwere Nebenwirkung
Umgerechnet bedeuten die genannten Zahlen, dass es auf 1 Million Behanldungen mit Chinolonen zu 82 zusätzlichen Fällen von Aortenaneurysma kommt. Das entspricht etwa einem Aneurysma auf 12’000 Behandlungen. Das ist sicher wenig. Doch das Aneurysma verläuft nicht selten tödlich. Die Studie zeigt einmal mehr, dass Medikamente, von denen wir der Meinung sind, dass sie relativ harmlos sind, da wir sie meistens auch nicht so lange verschreiben, eben doch auch relevante Nebenwirkungen haben können, die wir in der Regel gar nie erkennen würden.

Es lohnt sich also, weiterhin bei jeder Medikamentengabe gut zu überlegen, ob der Nutzen wirklich nachgewiesen ist.

Foto von Internet Archive Book Images


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza