17. Februar 2018

Grippeimpfung – und sie hilft doch

Immer wieder wird die Wirkung der Grippeimpfung angezweifelt. Nun hat die Cochrane Review gruppe eine Metaanalyse verfasst, die nun – was für Cochrane analysen selten ist – zum Schluss kommt, dass die Grippeimpfung „wahrscheinlich“ bei gesunden Erwachsenen recht gut wirkt.

Mit „recht gut“ stufen wir die von der Cochrane Analyse angegebene Wirksamkeit von rund 60% ein. Natürlich wissen wir, dass je nach Übereinstimmung zwischen Impfstamm und zirkulierenden Viren, die Wirksamkeit stark schwankt. Eine durchschnittlich 60% Wirksamkeit ist doch recht eindrücklich.

Grippe bleibt seltenes Ereignis
Die Metaanalyse zeigt auch, dass eine echte Grippe-Erkrankung doch ein relativ seltenes Ereignis ist. Wenn man alle analysierten STudien zusammenfasst, so kam es zu echten Grippeinfektionen bei gerade mal 2.3% der nicht geimpften Personen (verglichen mit 0.9% bei den Geimpften Personen). Daraus lässt sich ableiten, dass man – im Durschnitt über mehrere Grippesaisons – rund 70 Personen impfen muss, um einen einzigen Fall einer Grippe zu verhindern.

Nur Schutz für die Geimpften berücksichtigt
Diese Zahl berücksichtigt natürlich nur die Schutzwirkung für die geimpften Personen. Wenn ein Spital mit 3500 Mitarbeitern nur 700 Personen impft (20%), dann verhindert man aufgrund der genannten Zahlen nur gerade 10 Infektionen beim Personal. Das wäre nicht viel. Doch die Schutzwirkung durch Reduktion der Infektiosität – insbesondere wenn es gelingt einen grösseren Anteil der Personen zu impfen – wird in dieser Untersuchung nicht analysiert.

Grippeimpfung wirkt vor allem bei Gesunden
Diese Chochrane Analayse wurde bei gesunden „jungen“ Erwachsenen (16-65 J. alt) durchgeführt. Frühere Cochrane Analyse haben gezeigt, dass die Wirkunge bei älteren Menschen nur noch marginal ist. Insofern zeigt diese Arbeit aber doch deutlich was wir immer wieder betonen: Die Grippeimpfung (wie andere Impfungen auch) wirkt vor allem bei Menschen mit gut funktionierendem Immunsystem. Daher ist es wichtig, dass wir diese Population motivieren, sich impfen zu lassen. Denn damit kann die Übertragung der Infektion auf besonders gefährdete Personen mit Störung der Immunabwehr verhindert werden.


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

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