3. Februar 2018

Eiweissallergie: Kein Problem bei Grippeimpfung

Es gilt fast wie ein Gesetz: Wer eine Allergie auf Hühnereiweiss hat, darf sich nicht gegen Grippe impfen lassen. Man nahm bisher immer an, dass die Influenza-Viren, welche in Hüherembryonen gezüchtet werden, genügend Kontamination mit Eiweiss von Hühnern haben, dass sie eine Allergie auslösen könnten. In den USA schätzt man, dass 2% der Bevölkerung eine Eier-Allergie haben. Für diese Personen ist nach gängiger Praxis eine Grippeimpfung (mit klassischen Impfstoffen) unmöglich.

Dem ist offenbar nicht so. Eine US-Taskforce, die sich speziell dieser Frage gewidmet hat, kommt nach ausführlichem Studium der vorhandenen Daten und Publikationen zum Schluss, dass Eier-Allergiker sich überhaupt keine Sorge machen müssen. Die Konzentration von Eier-Eiweiss in einer Grippeimpfung liegt sicher unter 1 μg. Diese Menge reicht nicht aus, um eine allergische Reaktion auszulösen. Die neue Empfehlung basiert aber in erster Linie auf der klinischen Erfahrung: 2011 hat man damit begonnnen, die Grippeimpfung mit Inaktivierten Impfstoffen auch für Eier-Allergiker zu empfehlen. Mit dieser Empfehlung hattte man in den USA dann auch keinerlei Probleme.

2013 wurden dann – aufgrund weiterer Daten zur Unbedenklichkeit der Eiweiss-Beimischung in Impfstoffen mit attenuierten Lebendviren – auch für diese Impfstoffe die Vorsichtsmassnahmen aufgelockert. Die Autoren der neuen Guideline haben nun 28 Studien zur Impfung bei über 4000 Eier-Allergikern untersucht und kommen zum Schluss, dass es für die Grippeimpfung – egal mit welchem Impfstoff – keinerlei Einschränkung oder Vorsichtsmassnahmen bei Eierallergikern braucht.

Foto von acht&siebzig


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

Ähnliche Beiträge

Carbapenemasen oder "Rien ne va plus"

Die antibiotische Resistenzproblematik scheint sich je länger je mehr auf die gram-negativen Keime zu konzentrieren. Ein Grund dafür ist die rasche globale Zunahme von...  Mehr

Carbapenemasen oder „Rien ne va plus“

Die antibiotische Resistenzproblematik scheint sich je länger je mehr auf die gram-negativen Keime zu konzentrieren. Ein Grund dafür ist die rasche globale Zunahme von...  Mehr

Nicht-multiresistente "Problemkeime"

Norovirus CH: BAG, 2003, Swissnoso, 2003 USA: HICPAC/CDC: 2011 Clostridium difficile A: AGES, 2007 GB: HPA/DH,  2009 USA: SHEA, 2008 Tuberkulose   GB:   NICE, ...  Mehr