31. Januar 2018

Grippe kann Herzinfarkt auslösen

Den Zusammenhang zwischen einer Aktivierung des Immunsystems (z.B. bei Infektionskrankheiten) und der Häufung von Herzinfarkt kennen wir von anderen Beispielen. Eine neue, gearde im NEJM publizierte Studie hat nun den Zusammenhang zwischen einer Influenza-Infektion (Grippe) mit Herzinfarkt untersucht.

Die Autoren haben ein relativ einfaches Vorgehen für ihre Fragestellung gewählt: Sie untersuchten Daten einer Krankenversicherung (in Ontario). Erfasst wurden alle Patienten, die in einer bestimmten Zeitperiode (5 Jahre) sowohl wegen eines Herzinfarktes hosptialisiert wurden und die auch irgend einmal in dieser Zeitperiode einen Laboruntersuch für Influenza hatte.

Einfaches Setting – einfache Fragestellung
Nun ging es eigentlich nur noch darum, den Zeitlichen Zusammenhang zwischen eines positiven Nachweises einer Influenza-Infektion (oder einer anderen virusinfektion der Atemwege) mit dem Auftreten eines Herzinfarktes zu untersuchen. Die Autoren haben untersucht, ob sich in den 7 Tagen nach Grippe-Infektion eine Häufung von Herzinfarkt nachweisen lässt.

Eindrückliche Resultate
Tatsächlich sind die Resultate dieser einfachen Untersuchung sehr eindrücklich: Das Risiko, dass jemand in den 7 Tagen nach einer Grippe (Influenza) einen Herzinfarkt erleidet ist rund 6 Mal höher als zu einem Zeitpunkt ausserhalb dieser Phase. Nach Ablauf dieser 7 Tage ist das Risiko für einen Herzinfarkt wieder gleich gross, wie ausserhalb dieser Phase (siehe Ausschnitt Tabelle 2)

Die Ergebnisse sind durchaus plausibel. Denn wir wissen von vielen anderen Beispielen (z.b. HIV, Hepatitis C) dass eine durch Infektion angeregte Immunantwort das Risiko eines Herzinfarktes deutlich erhöht. Die Autoren haben zusätzlich auch noch das Risiko eines Herzinfarktes nach anderen respiratorischen Infektionen (z.B. RSV) untersucht und dort auch eine gewisse Risikoerhöhung gezeigt, aber bei weitem nicht so deutlich.

Interessanterweise war (in der entsprechenden Subgruppen-Analyse) das Herzinfarkt-Risiko besonder hoch bei Grippeinfektionen mit Influenza B (verglichen mit Influenza A). Dieser deutliche Effekt der Influenza-Infektion auf das Herzinfarkt risiko weist auch darauf hin, dass ein teil der Excess-Mortalität, die wir bei Grippe beobachten, durchaus auch durch Herzinfarkt ausgelöst werden kann und nicht nur durch die Infektion des Lungengewebes selbst. Insofern hat die Arbeit schon weitreichende Konsequenzen.

Foto von DRF Luftrettung


Prof. Dr. med. Pietro Vernazza

Ähnliche Beiträge

West-Nile: Im Westen nichts Neues. Oder doch?

Das West-Nile Fieber hat vor knapp 10 Jahren in den USA zu sehr viel Aufregung gesorgt. Eine Infektionskrankheit, die man bisher selten in Afrika und dem mittleren Osten...  Mehr

Harnwegsinfekte bei Frauen: Genügen Schmerzmittel?

Wir haben letztes Jahr über die Schweizerische Studie (Kronenberg et al.) zum Einsatz von Schmerzmitteln beim unkomplizierten Harnwegsinfekt (HWI) bei Frauen berichtet. Mit dem...  Mehr

Tb-Prophylaxe – auch kürzere Behandlung möglich?

Eine Forschungsgruppe hat in einem kürzlich im New England Journal of Medicine erschienenen Artikel zeigen können, dass eine 4-monatige prophylaktische Tuberkulosebehandlung mit...  Mehr

HIV positive Mütter – Stillen als eine Option!

Endlich ist es so weit: Eine breit zusammengesetzte Arbeitsgruppe aus Schweizer Expertinnen und Experten der Infektiologie, Pädiatrie und Geburtshilfe haben nach einem...  Mehr